„Guten Tag Bundesliga – wir sind wieder da!“ Ein Jahr nach dem mehr als bitteren Aus meldet sich GWD Minden in der stärksten Liga der Welt zurück. // Von Carsten Dehne

GWD Minden schafft den direkten Wiederaufstieg und feiert mit den Fans

Umso schöner das alles, weil der Abstieg wegen der „geschönten“ Bilanzen des HSV Hamburg ja nun mehr als ungerecht war. Schwamm drüber. Die Grün-Weißen haben alles selber wieder „repariert“. GWD Minden hat die selbst gesteckte Mission erfüllt. Die Dankerser galten nicht zuletzt aufgrund des Etats und des Kaders als Aufstiegsfavorit. Der zweite Favorit war der HC Erlangen – die haben sich dann aber auch verdient den Zweitligatitel geholt. Die Franken waren eine Spur souveräner in dieser längsten Zweitliga-Saison die es je gab.

Es gibt kaum Vereine, die mehr Bundesligaaufstiegserfahrungen haben, als GWD Minden. Deshalb ist das aber noch lange keine Routine. Ein Aufstieg ist immer schön. Und es bedarf keiner großen Vorstellungskunst, sich auszumalen, welche Last von den Schultern der Spieler gefallen sein muss. Das Ziel war ja mehr als das – es war ein klarer Auftrag. Diesen erfüllt dürfte die Party auf der Rückfahrt vom Triumph in Aue dementsprechend ausgefallen sein…

Trainer Frank Carstens ist jetzt nicht der total extrovertierte, durchdrehende und herumhüpfende Trainer nach Erfolgen – er hat sich in Aue vor allem innerlich gefreut. Das alles muss ja auch erst einmal sacken. GWD ist eine Herzenssache für Frank. Zumal er Und dieser Druck, aufsteigen zu „müssen“, macht so eine Saison nicht einfacher. Die Klasse in der nächsten Saison zu halten ist ebenfalls kein Zuckerschlecken. Aber es sollte Antrieb genug sein, sich in der stärksten Liga der Welt zu behaupten.

Ja, unterm Strich war es teilweise eine wechselhafte Saison. Es gab einige knappe Heimsiege gegen wesentlich schlechte gestellte Mannschaften (Ferndorf, Saarlouis, Rimpar), aber auch tolle und nicht so erwartete Auswärtssiege wie in Nordhorn, in Hamm oder zwei Mal in Aue (Liga und Pokal). Die Zeiten, in denen ein Verein verlustpunktfrei durch eine Zweitligasaison geht, sind aber auch schon lange vorbei. Seit dem Beginn der eingleisigen zweiten Liga im deutschen Handball im Jahr 2011 hat der Meister immer mindestens 14 Minuspunkte gehabt. Okay, das wird sich dieses Jahr durch den HC Erlangen ändern.

Ein leicht „merkwürdiges“ Lob zum Aufstieg gab es von Aues Trainer Runar Sigtrygsson: „Wir haben gegen eine Mannschaft gespielt, die auf dem Papier und auch auf dem Spielfeld besser ist als wir. GWD hat den Aufstieg verdient und eigentlich sollten wir froh sein, dass die jetzt weg sind. Und ich hoffe, dass wir uns nächstes Jahr nicht wiedersehen.“ – jeder weitere Kommentar erübrigt sich…

Den Saisonabschluss feiern die Grün-Weißen dann am Samstag, den 04. Juni. Zum letzten Spiel trifft GWD zu Hause in der Kampa-Halle auf den VfL Bad Schwartau. Danach haben die Jungs aber auch eine Pause verdient – es war wirklich eine Mammut-Saison mit 40 (!) Spieltagen plus Pokal…

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZUM AUFSTIEG VON DER GESAMTEN NEWS-REDAKTION!

Völlig losgelöst im Partybus

Zwischenstopp in Magdeburger Disko in der Nacht des GWD-Aufstiegs

Der Aufstieg ist geschafft. Die GWD-Spieler und Fans jubeln. So ein Ereignis wird natürlich groß gefeiert. Und nach dem Sieg wird bis in den frühen Morgen mächtig gefeiert.

Zwei Minuten vor dem Spielende löste sich bereits die Anspannung auf der GWD-Bank, als der deutliche Auswärtssieg in Aue feststand und das Kapitel 2. Handball-Bundesliga – abgesehen von den drei verbleibenden Pflichtspielen bis zum Saisonende – zugeschlagen werden konnte. Trainer Frank Carstens reckte nach dem 31:27 (15:11)-Erfolg mit der Schlusssirene in der Erzgebirgshalle die Hände in die Höhe und die Spieler vollführten Freudentänze erst auf dem Spielfeld und anschließend in der Kabine. „Nie mehr zweite Liga“ hallte es später durch die Katakomben und der GWD-Kader wechselte sofort in den Partymodus.

„Die Rückfahrt war schon außerordentlich gut. Die Stimmung war herausragend. Alle haben bei der Feier im Bus großes Stehvermögen bewiesen“, berichtet Carstens von der Tour, die früh morgens nach einem Zwischenstopp in einer Magdeburger Diskothek in Minden seinen Abschluss fand. Ein Begrüßungskomitee für die Rückkehrer in die „beste Liga der Welt“ war auch vor Ort. Mitglieder des GWD-Fanklubs überreichte Moritz Schäpsmeier und Co. Blumen als Dankeschön für die erfolgreiche Mission Wiederaufstieg.

„Wir sind alle sehr glücklich, dass wir das Ziel vorzeitig erreicht haben. Wir hatten in der Saison einige schwere Phasen zu überstehen. Aber insgesamt haben wir das sehr gut geregelt“, sagte der GWD-Coach mit einigen Tagen Abstand. Ein Stück weit war das Gastspiel in Sachsen so etwas wie ein Spiegelbild der Saison. Nach gutem Start und einer schnellen 10:4-Führung (11.) lief die Partie bis zum 15:9 (24.) wie am Schnürchen, bevor die Gastgeber zur Aufholjagd bliesen. Auf die doppelte und zeitweilig komplette Manndeckung zu Beginn der zweiten Halbzeit war Carstens aber vorbereitet. „Etwas Ähnliches hat Aue gegen uns schon im Pokal versucht“, sagte Carstens, der zusehen, konnte wie sein Team dank seiner individuellen Klasse Herr der Lage blieb. Nach den knappen Zwischenständen beim 17:15 (37.) und beim 25:23 (49.) hatten die Mindener die richtigen Antworten parat. In der Schlussphase schraubten die Grün-Weißen die Führung noch auf 31:24 (55.) in die Höhe, sodass in der verbleibenden Spielzeit nichts mehr anbrennen konnte – was neben den starken Sören Südmeier und Dalibor Doder auch ein Verdienst des überragenden Torwarts Gerrie Eijlers und später auch Kim Sonne war.
Obwohl die Last des Aufsteigenmüssens nun bei den GWD-Spielern abgefallen ist, will Carstens die Spannung in seiner Mannschaft aber hochhalten. „Wir spielen noch zu Hause gegen den Tabellenführer HC Erlangen, gegen den wir das Hinspiel deutlich verloren haben“, wünscht sich Carstens eine Revanche gegen den Mitaufsteiger und Meister.
Und einen Blick wirft der GWD-Trainer bereits jetzt auf die kommende Saison, auf die er sich schon jetzt richtig freut. „Der Klassenerhalt wird eine noch größere Herausforderung werden, als die Mission Wiederaufstieg. Aber wir können uns wieder mit den besten Teams in Deutschland messen. Und darauf haben wir richtig viel Bock.“

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