2007 hat Martin Kuhlmeier den ersten Prototyp seiner Fahrradmarke „i:SY“ gebaut. „Es ist ein Modell für Leute, für die es wichtig ist, mobil mit dem Rad zu sein“, sagt der Unternehmer aus Hüllhorst. Klein, handlich und leicht zu transportieren sind die kunterbunten „i:SYs“, die es mit oder ohne Elektromotor gibt. Redaktionsleiter Carsten Korfesmeyer hat mit dem Entwickler gesprochen. Über die Marke und auch darüber, wie die 20-Zoller den Alltag verändern können.

Unternehmer Martin Kuhlmeier spricht im Interview über seine Fahrradmarke, die Fahrradkultur und die Steigerung der Mobilität.

news: Herr Kuhlmeier, Ihre Räder erinnern ein wenig an die Mini-und Klappräder der 70er Jahre.
Martin Kuhlmeier: Das ist so, denn die Mini- oder auch Klappräder wurden mit 20“ Reifen bekannt. Das ist aber auch schon die einzige Parallele (lacht). Mit i:SY ist das Kompakt-Fahrrad auf den Markt gekommen. Das gab es bis dahin nicht und war wirklich vollkommen neu.

news: Was bedeutet Kompakt-Fahrrad genau?
Martin Kuhlmeier: Meine Idee war es die Vorzüge die 20“ Räder mit sich bringen, nämlich Packmaß und Stellfläche, mit meiner Erfahrung im Rahmenbau von 26“ und 28“ zu verbinden. Also ein kleines Rad mit einer großen Rahmengeometrie: Das versteht man unter Kompakt-Fahrrad.

news: Das ist jetzt mehr als zehn Jahre her und Ihre Räder sind schwer gefragt. Allein 300 i:SY-Händler gibt es inzwischen in Deutschland und den Beneluxstaaten. Was ist denn das Geheimnis dieses Erfolgs?
Martin Kuhlmeier: Zunächst muss ich sagen, dass es anfangs etwas zäh anlief. Viele zogen damals Vergleiche mit Kinderrädern, was natürlich falsch ist. Aber manchmal braucht es etwas Zeit, bis der Markt bereit für ein neues
Produkt ist, bzw. bei i:SY für das Konzept bereit war. 2008 erschien ein Testbericht in der FAZ, bei dem die Vorzüge und die außergewöhnlichen Fahreigenschaften deutlich herausgestellt wurden. Und damit kam der Durchbruch.

news: Worin genau liegen denn die Vorteile des Modells?
Martin Kuhlmeier: Die Rahmengeometrie beim „i:SY“ ist außergewöhnlich – nicht nur auf den ersten Blick. Das spürt man bei der ersten Fahrt sofort. Wirklich leichtes Radfahren, aber auch mit Reisegepäck extrem fahrstabil. Das war mir bei der Entwicklung sehr wichtig. Außerdem ist es eine One-Size Konstruktion, das bedeutet, i:SY kann von Menschen mit einer Körpergröße von 1,50m bis 1,90m optimal genutzt werden. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass es leicht zu transportieren ist. Lenker, Sattel oder Pedale lassen sich in sekundenschnelle verstellen und das Rad benötigt im Kofferraum ganz wenig Platz. Und i:SY passt auch prima mit in die Bahn.

news: Also ideal für Leute, die es leid sind, erst mühsam den Dachgepäckträger aufzubauen.
Martin Kuhlmeier: Genau. Jeder, der das schon mal gemacht hat, weiß, wie umständlich und zeitintensiv das sein kann. Und es kommt noch ein weiteres Problem hinzu, wenn man mit den Rädern auf dem Dach in die Stadt fahren will und das Auto mal abstellen möchte. Ich wollte damals ein Fahrrad bauen, das mehr Mobilität mit und auf dem Rad bietet. Das ist mir mit i:SY auch gelungen.

news: Zumal sich die Radfahrkultur inzwischen verändert hat.
Martin Kuhlmeier: Richtig. Die Menschen nutzen ihr Rad häufiger im Alltag, pendeln damit zur Arbeit oder ersetzen damit das Auto. Noch vor zehn Jahren war es doch zum Beispiel völlig unüblich, sein hochwertiges Rad mit ins Büro zu nehmen. Heute ist das völlig normal. Und das i:SY nimmt im Büro oder Hausflur auch noch wenig Platz weg.

news: Sie sagen, sie hätten mit „i:SY“ keine Erfindung gemacht. Was dann?
Martin Kuhlmeier: Kompakte 20-Zoll-Räder hat es schon früher gegeben. Bereits 1898 war ein Modell auf dem Markt. Einige folgten, aber es waren alles Modelle, mit denen kein ernsthaftes Rad fahren möglich gewesen ist. Der Hinterbau war immer zu kurz und alles war nicht zu Ende gedacht.

news: Und „i:SY“ ist das Ende dieses Denkprozesses?
Martin Kuhlmeier: Es verfügt über die Eigenschaften, die für längere Touren oder entspanntes Fahren gebraucht werden. Auch wenn das viele nicht glauben wollen (lacht): Durch 20-Zoll-Reifen hat man eine bessere Beschleunigung und es fährt sich leichter bergauf. Von Vorteil ist auch die Ballonbereifung. Bis zu vier Zentimeter können die Räder eintauchen. Und weil der Radstand ist wie bei einem 28“, hat man gar nicht das Gefühl von „Mini-Rad“. Aber wichtig ist in jedem Fall zu erklären, dass die Übersetzung angepasst ist. Also die gleiche Trittfrequenz wie bei 28“ Rädern.

news: Die „i:SYs“ gibt es mit oder ohne Elektromotor. Was wird häufiger gekauft?
Martin Kuhlmeier: Eindeutig die Variante mit Elektromotor.

news: Also wollen die Leute nicht mehr so viel in die Pedale treten?
Martin Kuhlmeier: (lacht) Ich behaupte, wer so redet, hat noch nie auf einem Fahrrad mit Elektromotor gesessen.

news: Hab ich tatsächlich nicht.
Martin Kuhlmeier: Dann wüssten Sie, dass der Elektromotor lediglich eine Unterstützung ist. Das Treten in die Pedale fällt dadurch nicht weg, weil das Gleichgewicht sonst nicht gehalten werden kann. Es hat keineswegs etwas mit Faulheit oder Bequemlichkeit zu tun. Im Gegenteil: Es sorgt für mehr Bewegung.

news: Das müssen Sie noch etwas genauer erklären.
Martin Kuhlmeier: Es ist doch ganz einfach: Wer mit Strom Rad fährt, fährt mehr. Denn wer ein Fahrrad mit einem Elektromotor hat, kann damit viel längere Strecken zurücklegen. Diese Menschen nutzen dann auch häufiger die Möglichkeit, draußen unterwegs zu sein. Andere hingegen bleiben lieber gleich zuhause, wenn es zum Beispiel mal etwas mehr Wind gibt oder das Ziel zu weit ist. Mit dem E-Motor ist man aktiver, fährt häufiger und man ist mehr an der frischen Luft. Das wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus.

news: Haben E-Bikes auch eine soziale Funktion?
Martin Kuhlmeier: Auf jeden Fall. Nehmen wir doch einmal an, jemand ist nicht mehr so fit, um mit einer Gruppe eine längere Radtour durchzuhalten. Diese Menschen werden somit von Aktivitäten ausgeschlossen und können dadurch sogar ins Abseits geraten. Durch das E-Bike haben Sie hingegen eine Sicherheit, die längeren Strecken schaffen zu können. Sie sind dabei. Und der Aktionsradius vergrößert sich. Die Rad-Touren werden länger. Und man fährt andere Strecken, weil die Steigungen jetzt kein Problem mehr sind.

news: Wie alt ist denn Ihre Kundschaft im Schnitt?
Martin Kuhlmeier: So etwa Mitte 40.

news: Sie selbst haben Ihr Hobby zum Beruf gemacht.
Martin Kuhlmeier: Das stimmt, denn schon als Kind haben mich Fahrräder total inspiriert. Besonders zu den 20-Zoll-Rädern habe ich eine hohe Affinität. Mit meinen Freunden bin ich damals schon mit meinem selbstgebauten Fahrrad im Wiehengebirge Rennen gefahren. Und auch danach haben diese kleinen Räder mich immer weiter begleitet. Später habe ich dann Wirtschaftswissenschaften studiert, aber die Fahrradbranche hat mich nicht mehr losgelassen.

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