Das Derby naht – und wohl keine Begegnung wird so emotional begleitet wie das Zusammentreffen von Teams aus der Nachbarschaft. Das Treffen zwischen GWD Minden und dem TuS Nettelstedt steigt am Sonntag, 3. September, in der Mindener Kampa-Halle. // Von Carsten Dehne

GWD Minden und TuS Nettelstedt treffen zum 96. Mal aufeinander

Stammtischwissen a la Feuerzangenbowle: „Aha, heute krieje mer de Derby. Also, wat is en Derby? Da stelle mer uns janz dumm.“ Und fragen Wikipedia: „Der Begriff Derby, häufig auch Lokalderby, bezeichnet eine Austragung im Mannschaftssport, bei der zwei meist rivalisierende Sportvereine einer Region aufeinandertreffen. Für die Fans der betroffenen Vereine haben solche Ereignisse häufig eine hohe symbolische Bedeutung.“

Das stimmt, denn die ist im Mühlenkreis im Handball deutlicher als anderswo. Im Handball-Magazin wurde es einst als „Mutter aller Derbys“ bezeichnet. Auch das stimmt, geht die Rivalität schon auf den Feldhandball in den 30er Jahren zurück. Erstmals richtig kribbelig wurde es in den 50ern. Obwohl damals noch zwei eigenständige politische Kreise, spielten die Lübbecker und Mindener Vereine in einer gemeinsamen Liga. Die Mindener Vereine nahmen die bestimmende Rolle ein – das wollte sich vor allem Nettelstedt nicht mehr gefallen lassen und gründete mit den anderen Lübbecker Handballklubs einen eigenen Handballkreis. Nach ein paar Jahren gab es aber in Lübbecke außer dem TuS keinen spielenden Klub mehr – so kamen sie wieder zurück zu den Mindenern. Die entsprechenden Sprüche kann man sich vorstellen

Das die „Mutter aller Derbys“ danach immer wieder elektrisierende Spannungen – vor allem durch Spielerwechsel – hervorbrachte, kennen alle Handballfans. Da waren dann aber Geschichten dabei, die ich weder gut heiße, noch mag. Wir haben in Deutschland das Glück der freien Arbeitsplatzwahl – das wurde vor Dutzenden von Jahren schwer erkämpft. Seit der Sport zum Beruf gemacht werden kann, wüsste ich nicht warum das da nicht auch gelten soll.

Fast zwei Jahre Wartezeit hat nun ein Ende: GWD und TuS treffen in der Bundesliga wieder aufeinander. Und mag auf jederSeite der eine dem anderen nicht ganz so viel gönnen, es gibt doch nichts Schöneres als dieses Spiel. Das auch gleich noch so früh in der Serie, am Sonntag, 3. September in der Kampa-Halle treffen die beiden Kreisrivalen zum 96. Mal aufeinander. Ich blättere zurück in der Derbygeschichte:

Freitag, 24. Januar 1992, Spiel 41. Der TuS kommt als Favorit nach Minden und führt – angetrieben vom überragenden Oleg Gagin mit 16:13. Der Russe hob seinen linken Arm und ließ sich auswechseln – da kann doch nichts mehr passieren. Denkste! Der rechte Dankerser Flügel mit Oldie Bernd Seehase und Kais Stolze drehte auf und das Spiel. Endstand: 19:17 für GWD. Das war gleichzeitig meine erste Live-Übertragung im Radio.

Samstag, 29.08.1992, Spiel 42. Es ging um Platz 3 im Spielothek-Cup. Es kam zum Siebenmeterschießen, das nicht enden sollte. Bach 18 Schützen stand es immer noch unentschieden – das Spiel wurde für beendet erklärt, damit das Finale zeitgerecht über die Bühne gehen konnte.

Mittwoch, 10. November 1993, Spiel 46. DHB-Pokal in Lübbecke. Ein Denkwürdiges Spiel, welches der TuS nach der zweiten Verlängerung mit 33:31 gewann. Besonderheit: Schiedsrichter Manfred Gremmel pfiff alleine, da sein Zwillingsbruder Wolfgang direkt vor dem Spiel krank ausfiel. Manfred pfiff hervorragend!

Samstag, 24. Mai 2003, Spiel 69. Am letzten Spieltag gewann GWD 35:30 in Lübbecke. Der TuS stieg ab – Frank Carstens machte sein letztes Pflichtspiel-Derby als Spieler. 14 Jahre später darf er wieder ran – jetzt als Trainer.

Noch Mal zum Begriff „Derby“: Derby kommt ursprünglich von einer Art Fußball. Im Mittelalter in England spielten Einwohner benachbarter Gemeinden der Region Derbyshire gegeneinander. Ziel war es mit einem Ball das gegnerische Tor zu treffen. Das war ein Mühlstein. Die Steine waren etwa fünf Kilometer entfernt. Genaue Regeln gab es nicht. Manchmal spielten mehr als 1000 Menschen mit – manchmal dauerte das Spiel mehrere Tage. Im Reitsport gibt es den Begriff „Derby“ ja ebenfalls – das geht auf das späte 18. Jahrhundert zurück – also deutlich später als im Ballsport.

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