Sägespäne im Gesicht und den Blick nach oben gerichtet: Auch beim 97sten Kranzreiten in Hahlen steht der Galgen im Mittelpunkt des Wettkampfes. // Von Christian Weber

97. Hahler Kranzreiten am 21. und 22. Juli in der Moorarena

In diesem Jahr galoppiert die Eskadron der Kranzreiter am Sonntag, 22.
Juli unter dem Galgen her. Erst gemeinsam, danach kämpft jeder für sich
allein. Dann entscheidet sich peu a peu, wer als Sieger beim traditionellen Hahler Kranzreiten übrig bleibt und neuer Präsident wird. Im vorigen Jahr siegte Philipp Wilhelmy.

Das traditionelle Hahler Kranzreiten findet in diesem Jahr am 21. und
22. Juli statt. Und es ist nicht nur ein Reiterwettkampf, es ist auch immer noch ein Zeltfest, von denen es im Umkreis nur noch wenige große gibt. Den Anfang nimmt das Kranzreiter-Wochenende im Festzelt am Kirchweg wie bereits seit Jahren bereits am Freitag, 20. Juli, mit zwei Einaktern der Plattdeutschen Laienbühne Hahlen.

So richtig Party wird dann am Samstag, 21. Juli, gemacht: Um 20 Uhr
beginnt im Festzelt der große Tanzabend mit der Band Tänzchentee. Die
Band zeigte sich bereits im vergangenen Jahr mit guter Musik, bei der Witz und Spaß nicht zu kurz kommen. Für die Kranzreiter und interessierten Gäste heißt es vorher aber noch: Antreten zum Appell.
Dies erfolgt um 19 Uhr auf dem Dorfplatz. Per Fußmarsch wird dann der
alte Präsident für den Tanzabend abgeholt. Der Höhepunkt des Kranzreiter-Wochenendes ist der Wettkampf am Sonntag, 22. Juli. Das Programm für die Eskadron beginnt um 12 Uhr mit dem Antreten zu Pferde auf dem Dorfplatz. Der anschließende Festumzug endet in der „Moorarena“. Hier beginnt unverzüglich das sogenannte Flaschenreiten.

Wie beim Kranzreiten gilt auch beim Flaschenreiten, dass von einem
galoppierenden Pferd gesprungen werden muss. Besonders für die weniger erfahrenen Reiter ist der Vorwettkampf hilfreich, da ansonsten nicht für
das Kranzreiten geübt werden kann. Im vergangenen Jahr sorgte dabei
Dardan Haziri für eine Überraschung – er nahm das erste Mal teil und
siegte sofort im Vorwettkampf und wurde somit „Flaschenpräsident“. Wer beim Kranzreiten schließlich am höchsten springt und am häufigsten den Eichenlaubkranz aus seiner Halterung reißt, wird Präsident und eröffnet am Sonntagabend im Festzelt mit seiner Erwählten den Reiterball. Hierfür spielt dann die Party-Band A-Dur auf.

Obwohl alljährlich mehrere Tausend Zuschauerinnen und Zuschauer zum
Kranzreiten kommen, nimmt der Verein traditionsgemäß keinen Eintritt
beim Reiterwettkampf. Um auf seine Kosten für die Beschaffung und
Entsorgung des Sägemehls, Bereitstellung von Sanitätern und verschiedenes mehr zu kommen, werden von einigen Kranzreitern aber
wieder im Publikum Spenden gesammelt. Zu erkennen sind die Sammler an der „Bombe“ in der Hand – sozusagen eine Halbkugel mit Krempe.

Kranzreiten werden in Hahlen bereits seit dem 19. Jahrhundert durchgeführt. Seit 1921 gibt es den Kranzreiterverein Hahlen. Waren
vorher die Veranstalter von Kranzreiten in der Regel Gastwirte, sorgt seit nunmehr 97 Jahren der Verein dafür, den Reiterwettkampf jedes Jahr erneut durchzuführen. Dem Verein ist es zu verdanken, dass der einst auch in anderen Dörfern durchgeführte Wettkampf für die Dorfjugend nach
dem Zweiten Weltkrieg in Hahlen wieder auflebte und heute alljährlich
tausende Zuschauer aus nah und fern anzieht.

Inzwischen ein Publikumsmagnet geworden ist bereits eine wichtige
Vorbereitung fürs Hahler Kranzreiten: das „Hufeschneiden“. Es findet am
Samstag, 14. Juli, statt. Dann haben die Reiter ab 18 Uhr auf dem Dorfplatz die Gelegenheit, vor dem Wettkampf die Hufe ihrer Pferde vom
Fachmann auf Vordermann bringen zu lassen. Besonders für die jüngeren
Zuschauer ist es immer wieder interessant zu beobachten, wie Pferdehufe
sich mit einem Messer bearbeiten lassen, ohne dass das Tier Schmerzen
verspürt. Ferner gibt es für die Kinder kostenlose Kutschfahrten. An
diesem Tag wird zudem ausgelost, in welcher Reihenfolge die in diesem
Jahr erwarteten mehr als 20 Kranzreiter starten. Aber schon jetzt ist
bekannt, wer die Nummer eins tragen wird: Philipp Wilhelmy – denn diese Nummer erhält automatisch der noch amtierende Präsident.

 

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