Für echte Zweiradfahrer hat die Saison keinen Anfang und kein Ende – zugegeben. Aber für alle anderen beginnt sie jetzt: Die Zweiradsaison. Und dabei ist es egal ob mit oder ohne Motor – wenn einem die milde Frühlingsluft um die Nase weht, vergeht die Frühjahrsmüdigkeit schneller, als sie gekommen ist. // Von Jan Henning Rogge

Zweiradsaison startet und E-Bikes sind in diesem Jahr weiter sehr gefragt

Es ist also an der Zeit, den alten Drahtesel, Roller oder die Maschine aus dem Schuppen zu holen und wach zu küssen. Den kurzen Check am Fahrrad kann jeder Heimwerker selbst vornehmen: Stimmt der Luftdruck? Zieht die Bremse? Und auch wenn die Tage länger werden: Leuchtet alles, was leuchten muss? Klingel und Reflektoren gehören wie Beleuchtung und Bremsen ebenfalls zu den Dingen, die zu einem verkehrstüchtigen Rad dazugehören. Auch die Kette freut sich nach dem harten Winterbetrieb oder der langen Pause über einen Tropfen Öl. Wer sich das nicht zutraut, kann sich aber auch an den Radladen seines Vertrauens wenden: Hier hilft der Zweiradmechaniker gerne.

Doch leider ist es damit manchmal nicht getan – manchmal ist es an der Zeit, einem treuen Gefährten Lebewohl zu sagen – oder einen neuen zu erstehen, weil sich die Bedürfnisse geändert haben. Dann stellt sich natürlich die Frage, wohin die Reise gehen soll: Wer einen Neukauf plant, sollte sich bereits vor dem Besuch beim Fahrradhändler ein paar Gedanken machen. Zum Beispiel den: Was habe ich mit dem neuen Fahrrad vor?
Wer sonntags mit den Kumpels eben mal zum Biergarten radeln möchte, braucht weder Rennmaschine noch E-Bike. Wer ein neues Sportgerät sucht, ist mit einem Hollandrad eher schlecht beraten. Und wer jeden Tag den Weg zur Arbeit bestreiten will, braucht die perfekte Mischung aus Robustheit und Komfort. Ebenfalls wichtig: In welchem Gelände bin ich unterwegs? Wer täglich das Wiehengebirge im Weg hat, braucht sicher ein paar Gänge mehr, als jemand, der gemütlich den Weserradweg entlangrollt.

Die Auswahl ist inzwischen riesig. Ob lässiger Cruser mit Ballonreifen, das klassische deutsche oder holländische Damen- oder Herrenrad, Trekking- oder Rennrad, Mountain- oder Gravelbike, für wohl jeden Geschmack ist etwas zu haben. Für Einsteiger weniger zu empfehlen sind die immer noch hippen Fixie oder Singlespeed Räder: Bei Fahrradkurieren sind die eigentlich die Räder mit dem starren Gang bis heute weltweit beliebt und haben inzwischen Einzug in die Welt der Hipster gefunden. Die Räder haben keinen Freilauf, das heißt: rollen lassen ohne die Beine zu bewegen, geht nicht, die Pedalen bewegen sich so lange sich das Hinterrad bewegt. Immerhin: Wer’s kann, kann damit rückwärts fahren.
Wer fit bleiben will, ist unter Radfahrern ebenfalls gut aufgehoben: Egal ob der Weg zur Arbeit oder die ausgedehnte Tour am Wochenende, jeder Kilometer hilft. Radfahren stärkt nachweislich das Herz, ist dabei gelenkschonend und versorgt auch den Geist mit frischen Eindrücken. Die frische Luft tut ebenfalls dem Körper gut.

Hinzu kommt die positive Klimabilanz: Wer Fahrrad fährt, verbrennt keinen Treibstoff und die Energiekosten, die für die Herstellung eines neuen Fahrrades anfallen sind ein Klacks im Vergleich zum Energieaufwand bei der Herstellung eines Autos. Und selbst auf längeren Strecken sind Radfahrer noch dazu oft schneller unterwegs als Autofahrer – schließlich dauert ihre Parkplatzsuche meist nur wenige Sekunden. Müßig zu erwähnen, dass das Abstellen von Fahrrädern in der Regel kostenlos ist.

Der Trend zum E-Bike oder Pedelec ist ungebrochen – nahezu jeden Fahrradtyp gibt es inzwischen auch mit Elektromotor. Der Unterschied zwischen beiden Systemen ist schnell erklärt: Ein Pedelec unterstützt den Radfahrer wenn er selber in die Pedalen tritt. Je schneller dabei gestrampelt wird, desto mehr Leistung schießt der Motor dazu. In Deutschland ist dabei bei 25 km/h das gesetzlich vorgeschriebene Ende
erreicht.

E-Bikes fahren auch ohne Gestrampel: Auf Knopfdruck bewegt sich das Rad, fast wie ein Moped – und so wird es auch behandelt: hier muss ein Versicherungskennzeichen her und mindestens eine Fahrerlaubnis für Leichtkrafträder vorliegen. Ein Helm gehört hier ebenfalls aufs Haupt.
Dann kann es natürlich auch gleich der Motorroller sein – für alle, die Benzin im Blut haben, ohnehin die bessere Wahl. Klar ist: Wer Roller oder Motorrad fahren will, braucht die der Klasse entsprechende Fahrerlaubnis – welche Klasse welches Gefährt umfasst sollte vor dem Kauf geklärt werden. Nicht verkehrt auch vorab zu prüfen, wo es Hilfe geben könnte: Läuft der Roller aus dem Baumarkt nicht, kann der Markenhändler um die Ecke nicht in jedem Fall helfen. Und auch wer mit größeren Maschinen unterwegs ist, weiß wie wichtig ein kundiger Schrauber ist.

Wenn dann der Motor unter dem Hintern bullert und die Sonne die B 65 in ein goldenes Licht taucht,der Wind um den Helm pfeift und die PS mit einer leichten Drehung des rechten Handgelenks zum Einsatz kommen dann wissen Zweiradfahrer, warum die Saison erst jetzt wirklich beginnt – auch wenn sie in Wahrheit nie so richtig aufgehört hat.

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