Als Freie Traurednerin arbeitet Britta Fiedler seit 2017 im Nebenberuf. Sie organisiert Freie Trauungen und schafft Paaren damit eine Alternative. „Vor allem zur kirchlichen Heirat´“, sagt die 39-Jährige. Individuell geht sie auf die Wünsche von den Brautpaaren ein. Emotional, aber auch mit viel Humor will die Portanerin „den schönsten Tag“ gestalten.

Britta Fiedler ist „Freie Traurednerin“ und organisiert Hochzeitszeremonien, die individuell auf jedes Paar zugeschnitten sind.

Frau Fiedler, in einem Seminar sind Sie zur Freien Traurednerin geschult worden. Ging sicher viel um Rhetorik.
Nein, gar nicht so sehr. Meine Aufgaben bestehen ja nicht nur darin, vor dem Brautpaar und den Gästen zu sprechen. Ich bin für die Gestaltung der Zeremonie zuständig. Dazu zählen neben dem Schreiben der Rede bzw. Geschichte, die Organisation von Ritualen, der Ringwechsel, die Musik, der Einzug und der Auszug und vieles mehr. Es gibt auch eine persönlich auf das Paar abgestimmte Trauformel und ich beziehe Familie und Freunde in die Trauung mit ein.

Von der jede natürlich einzigartig ist.
Klar, ich verwende keine Standardformulierungen. Bei mir ist alles ganz persönlich auf die Liebesgeschichte der Paare zugeschnitten.

Dann müssen Sie die Paare aber gut kennen.
Das ist auch so. Ich begleite sie durch die gesamte Vorbereitungszeit für den großen Tag. Ich bin in dieser Phase für beide wie eine gute Freundin.

Das setzt aber auch voraus, dass die Paare eine gewisse Offenheit zeigen.
Das gehört natürlich dazu und mir ist bewusst, dass ich sehr vertrauliche Dinge abfrage – beispielsweise wie sich die Paare kennengelernt haben oder wie sich die Liebe entwickelt hat. Es ist schon wichtig, das alles zu erfahren, um eine passende Geschichte erstellen zu können und die ganze Zeremonie zu einem sehr persönlichen und unvergesslichen Ereignis zu machen. Bislang habe ich dieses Vertrauen auch gut aufbauen können.

Aber nicht allen Menschen fällt das doch leicht. Wie gehen Sie vor?
Die Chemie muss schon stimmen und es ist nur menschlich, wenn das mal nicht sein sollte. Um möglichst früh herauszufinden ob es zwischen mir und dem Paar richtig passt, führe ich ein rund zweistündiges Erstgespräch und ich lasse einen Fragebogen ausfüllen. Dann wissen die Paare, welche Infos ich über sie benötige. Wer die nicht preisgeben möchte, hat dann die Möglichkeit, wieder abzuspringen. Das ist nicht schlimm, sondern für alle besser. Es geht ja um einen großen Tag, der nicht misslingen soll.

Und an dem man besser nicht in ein Fettnäpfchen treten sollte.
Richtig. Deshalb brauche ich ja auch diese Informationen über die Lebensgeschichten, damit das nicht passiert. Gibt es beispielsweise Themen, die besser nicht angesprochen werden? Hatte die Beziehung schon mal eine Krise – und warum? Gibt es zwischen den Familien irgendwelche Konflikte? Und natürlich ist es wichtig zu wissen, ob einer oder beide schon einmal verheiratet waren.

Sie machen das alles nebenberuflich. Ist es Ihr Hobby, Paare glücklich machen zu wollen?
Ein klares Ja. Ich liebe es, wenn zwei Menschen sich gefunden haben und glücklich miteinander sind. Ich möchte Paare glücklich machen. Und ihnen dann einen unvergesslichen Tag bereiten zu dürfen, finde ich wunderschön. Ich selbst bin sehr romantisch veranlagt.

Dann ist Ihr Lieblingsfilm sicher „Notting Hill“.
Nein, mehr „P.S. Ich liebe Dich“ und natürlich „Sissi“ (lacht).

Leiden Sie mit dem Brautpaar und sind vor der Zeremonie mit aufgeregt?
Immer. Ich begleite die Menschen ja über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten. Natürlich bin auch ich nervös. Wäre ja schlimm, wenn es anders wäre. Ich bin an dem Tag rund anderthalb Stunden vorher da, baue alles auf und spreche mit dem Paar noch einmal über den Ablauf. Kleinere Änderungen im Programm sind sogar spontan noch möglich.

Feiern Sie anschließend immer mit?
Nein (lacht), da ich in der Saison an vielen Wochenende gebucht bin, wäre das mitfeiern etwas zu viel für mich. Darüber hinaus habe ja noch eine Vollzeitstelle als Sales Managerin. In aller Regel ziehe ich mich nach der Zeremonie zurück. Ich bin zwar für das Paar zu einer Vertrauten geworden, aber die Feier ist für die Paare und ihre Freunde und Verwandten. Meine Aufgabe ist dann abgeschlossen.

Wie sind Sie auf diese Tätigkeit aufmerksam geworden?
Durch meine eigene Hochzeit. Mir hat die Vorbereitung so viel bedeutet und Spaß gemacht. Ich habe gemerkt, wie ich immer aufgeregter wurde, je näher der Tag rückte und dass ich alles perfekt haben wollte. Ich habe dann rund ein Jahr gewartet, um zu wissen, ob mir diese Aufgabe immer noch so viel bedeutet. Nachdem ich das für mich bejahen konnte, habe ich das Seminar im vergangenen Jahr besucht. Vorab hatte ich schon Paare, die mich gebucht hatten.

Von Freien Traurednern hatte ich bislang noch nie gehört.
Es gibt sie aber zahlreich, nur noch nicht in Minden-Lübbecke. Aber bundesweit gibt es sehr viele, vor allem in den größeren Städten. Der Markt ist eindeutig da.

Worauf führen Sie das zurück?
Ich denke, die Menschen suchen eine Alternative zur kirchlichen Hochzeit, die eindeutig anders abläuft als eine Zeremonie mit mir. Die Abläufe lassen sich individueller und flexibler handhaben und viele wollen einfach nicht in der Kirche, sondern an einem anderen schönen Ort heiraten. Meist draußen.

Und wenn es regnet?
Es gibt immer einen „Plan B“ und ich habe immer einen Worst-Case-Koffer dabei, falls mal irgendwas passiert – beispielsweise die Technik streikt. Eines ist sicher: Es wird auf jeden Fall geheiratet und das Paar bekommt eine Urkunde sowie einen Gegenstand, der an den Tag erinnert. Sehr beliebt sind Familiensiegel und eine Box für den ersten Hochzeitstag, die erst nach zwölf Monaten geöffnet werden darf.

In der unter anderem die Gäste Wünsche für das Paar aufgeschrieben haben.
Zum Beispiel. Und ich kann nur sagen: Es ist enorm spannend zu lesen, was Hochzeitsgäste vor einem Jahr geschrieben haben und für das Brautpaar ein emotionaler Rückblick auf Ihre Trauung.

Weitere Informationen über Britta Fiedler und ihre Tätigkeit als Freie Traurednerin stehen im Internet.
www.herzzeilen.de

 

 

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