Geniales Netzwerk sichert Lieferung von bunten Eiern / Ein nicht ganz ernstgemeinter Hintergrundbericht

Gestatten, mein Name ist Hase – Oster Hase! Ja, ich bin es. Der nette Rammler, der die bunten Eier bringt. Und jetzt erzähle ich Ihnen meine Geschichte. // Von Carsten Korfesmeyer

Ich bin der Osterhase! Ja, ich bin das Original. Allein meiner Person obliegt es, wie viel Naschwerk in die Nester gelegt wird. Im Moment habe ich wieder alle Pfoten voll zu tun. In wenigen Tagen ist Ostern. Dann tobt bei uns das Chaos, aber keine Angst. In meinen ganzen Dienstjahren ist mir noch nicht ein einziger Patzer passiert.

Im Gegensatz zum Weihnachtsmann habe ich noch nie ein Geschenk vertauscht. Gut, der Mann hat es sicher etwas schwerer als ich mit meinen Eiern, aber: Meine Arbeit ist dafür nicht weniger intensiv. Was in meinem Laden alles an Kilometern gefahren wird, ist aller Ehren wert. Nicht mal mein Spritgeld kriege ich vom Staat ersetzt – und der Weihnachtsmann darf seine unterbezahlten Rentiere doch tatsächlich noch von der Steuer absetzen. Eigentlich der Hammer.

Tja, es ist nicht leicht. Und im Ansehen der Kinder bin ich leider auch nur der ewige Zweite. So eine Art Pepsi-Cola der Geschenke-Industrie. Aber das macht mir im Grunde rein gar nichts. Ich bin Profi genug und weiß, dass man mich trotzdem liebt. Meine Schicksals-Genossen von Knorr oder den Pritt-Klebern kennen das schließlich auch. Und alle haben trotzdem ihre Daseinsberechtigung.

Alle Welt denkt immer, ich würde das ganze Jahr auf meinem faulen Fell liegen – und nur zu Ostern hyperaktiv werden. Soll ich ehrlich was sagen? Das stimmt! Osterhase zu sein, ist einfach der geilste Job der Welt. Etwa 340 Tage fröne ich meinem Dasein, spiele Hasengolf oder rammle mit meinen derzeit 24 Häsinnen. Manche meinen, ich wäre ein Playrabbit, doch die sind im Grunde nur neidisch. Sie vergessen nämlich, dass ich viel für meinen Wohlstand tun muss, denn: So ein Ostersonntag ist auch eine logistische Meisterleistung.

Mein Netzwerk lässt jeden Kurierdienst erblassen. Etwa drei Wochen vor Karfreitag nehme ich die Arbeit auf. Dann ist Eierbeschaffen angesagt. Unzählige Vertragshennen verdoppeln ihre Produktion, sodass binnen kürzester Zeit Milliarden an Eiern in meinem Bau eintreffen. Maschinell werden die dann gefärbt und in Waben gesteckt. Zeitgleich rattern in meiner zweiten Fabrik die Schokohasen oder Gelee-Eier vom Band. Alles frisch und bestens verpackt.

Viele glauben doch tatsächlich, dass ich das alles selbst ausfahre. Diese Leute sollten vielleicht mal etwas schärfer nachdenken. Wie soll denn ein einzelner Hase das schaffen? Mannomann, die Menschen sind doch manchmal zu dumm. Natürlich habe ich Mitarbeiter – und zwar auf der ganzen Welt. Die sind alle fit drauf und zuverlässig. Meist sind die Eier und Schokohasen bis zum Osterfrühstück verteilt.

Allein zwischen Bielefeld, Minden und Umgebung steht mittlerweile jeder freilaufende Hase in meinen Diensten. Erst im Vorjahr habe ich in Deutschland 8000 neue Stellen geschaffen, um die Lieferung noch pünktlicher zu garantieren. Eigentlich hätte ich dafür einen dicken Preis verdient gehabt, aber die verantwortlichen Manager wollten von meinem Arbeitsbeschaffungs-Programm nichts wissen. Nur wer Leute rausschmeißt, sei ein guter Manager, hieß es. Wer Jobs schaffe, sei ein Weich-Osterei. Vielleicht habe ich was nicht verstanden, aber: Mit dieser Einstellung hätten wir bald gar keine Ostereier mehr.

Trotzdem sollten wir uns auf Ostern freuen. Lang ist es ja nicht mehr hin. Sonntag, der 1. April, steht bei mir als „Tag der Arbeit“ ganz fett im Kalender. Dann sind wieder alle Hasen im Einsatz. Wie? Sie glauben mir nicht? Dann versuchen Sie doch mal, am Ostersonntag gegen 9 Uhr einen Hasen ohne Eier zu finden.

Hintergrund: Ostern

Für Ostern gibt es kein festes Datum. Im Jahre 325 n.Ch. wurde folgendes festgelegt: das Osterfest wird immer am 1. Sonntag nach dem Frühlingsvollmond gefeiert. Frühlingsanfang ist dabei der 21. März. Ist dieser aber ein Vollmond-Sonntag, wird der darauf folgende Sonntag Ostersonntag. Somit kann der 22. März das früheste und der 25. April das späteste Datum sein. Das ergibt allein 35 Terminmöglichkeiten.

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