Na ja, der März war von der Leistungen her jetzt nicht das Gelbe vom Ei – aber GWD Minden hat bewiesen, dass die Mannschaft beißen kann. So wie beim Heimspiel gegen die Eulen Ludwigshafen. Vor nicht allzu langer Zeit gingen solche Spiele meist verloren – dort hatten die Grün-Weißen den längeren Atem und zogen den Eulen in den letzten drei Minuten den Zahn.

Schon im März steht bei GWD Minden nahezu der gesamte Kader für die neue Saison

Minutenlang bleiben die Gäste nach dem Schlusspfiff regungslos auf ihrer Bank sitzen. Die taten mir fast schon ein bisschen leid. Der April bringt für GWD dann eine ähnliche Konstellation wie der März. In Leipzig (am Sonntag, 15. April) und gegen Magdeburg (am Sonntag, 22. April) wird es sicher schwer etwas Zählbares zu holen – in Gummersbach (am Donnerstag, 26. April) und gegen Lemgo sieht das schon anders aus. Vor allem der Auftakt mit dem OWL-Derby im Heimspiel gleich am 1. April sollte gelingen.

GWD Minden entwickelt sich mehr und mehr zum Ableger der norwegischen Nationalmannschaft: nach Christopher Rambo, Magnus Gullerud und Espen Christensen vervollständigt Kevin Maageroe Gulliksen das norwegische Quartett. Der 21jährige kommt (wie vor ihm Magnus Gullerud) von Elverum Handball. Dort warf er in der Champions League in dieser Saison 46 Tore. Schön, dass die Mindener so einen ambitionierten Spieler an die Weser holen konnten. Ich denke Mal, dass seine hier spielenden Landsleute sicherlich ein guter Türöffner waren. Kevin freut sich sehr, denn es war schon immer sein Ziel, in der stärksten Liga zu spielen.

Damit steht schon Mitte März fast der gesamte Kader für die neue Saison. Ein Fragezeichen gibt es noch – das steht hinter Sören Südmeier. Bekommt die Nummer 17 einen neuen Vertrag? Wenn ja, wie lange? Oder zaubert Frank von Behren einen Nachfolger aus dem Hut?

Einer, der GWD nach sieben Jahren definitiv verlassen wird, ist Nenad Bilbija. Größe: 2,08 Meter. Position: Rückraum links. Slowenischer Nationalspieler. Erfolge: zwei Mal slowenischer Meister, Champions-League-Gewinner, Triumph im Europapokal der Pokalsieger. Wie konnte so ein Fisch im Jahr 2011 an der GWD-Angel anbeißen? Na ja, in der Deckung ist „Bibi“ halt nicht der allerbeste – sonst wäre er ganz sicher bei ganz anderen Vereinen gelandet. Als reiner Angriffsspieler passte er sehr oft sehr gut ins grün-weiße Konzept. Bester Beweis sind die Jahre 2013 und 2014 – da war „Bibi“ einer der besten Feldtorschützen der Bundesliga.

Nach sieben Jahren in Minden geht seine Zeit mit Ablauf der Saison zu Ende. Von den sieben Jahren hat er leider viele Monate nicht spielen können. Immer wieder eilte den sympathischen Nenad das Verletzungspech. Das ist schon beeindruckend, wenn „Bibi“ bei elf, zwölf Metern hochsteigt und mit seinem langen rechten Arm den Ball Richtung Tor wirft und der dann haargenau einschlägt. Oft genug ging das so schnell, dass der Torwart gar keine Reaktion zeigen konnte. Okay, es gab auch Spiele, wo „Bibi“ das Visier nicht gut genug eingestellt hatte und die Bälle das Tor klar verfehlten. Wo Sonne ist, ist halt auch Schatten.

Speziell neben dem Spielfeld habe ich ihn immer als sehr netten, zurückhaltenden Menschen erlebt. Einmal – es ist drei, vier Jahre her – traf ich ihn nachts völlig überraschend an der Raststätte Rynern. Er war vom Treffen mit Freunden auf dem Rückweg und holte sich für die Weiterfahrt was zu trinken. Freundlich grüßte er, wünschte „Gute Fahrt“ und verschwand. Wir wünschen ihm auch „Gute Fahrt“ für die Zeit nach Minden.

Text: Carsten Dehne

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