Ob in der Waffel oder im Becher: Eine Kugel Eis gehört in der warmen Jahreszeit einfach dazu. Die Straßencafés stellen in diesen Tagen wieder ihre Tische und Stühle ins Freie. Das ist das Signal, auf das die Menschen gewartet haben. // Von Carsten Korfesmeyer

Die Eissaison startet, neue Sorten sind im Programm und der Sommer ist schon greifbar.

Vanille und Schoko gehen immer, sagt der Eisverkäufer. Wie viele seiner Kollegen ist er Italiener, besitzt eine Eisdiele und auch einen Eiswagen. In den Wintermonaten hatte er geschlossen und einen Abstecher in seine Heimat gemacht, wo er sich auf die neue Saison vorbereitet hat. Der Mann hat sich über neue Eissorten informiert und dazu ein wenig von der vergangenen Saison erholt. Denn von April bis Oktober bleibt in seinem Job kaum Zeit zum Verschnaufen. Denn Speiseeis steht bei den Menschen seit einer gefühlten Ewigkeit ganz oben auf der Hitliste des Sommers. Die Kugeln stehen symbolisch für die Leichtigkeit der kommenden zwei Jahreszeiten. Das Leben wirkt leichter und für eine Waffel oder einen Becher mit Schokolade, Vanille, Pistazien, Erdbeere oder Joghurt scheint nahezu immer Zeit.  

Auch in der Eiszeit 2017 gibt es ein paar neue Sorten, deren Namen in jeder Eisdiele unterschiedlich sind. Oft sind es Mixturen, meist fruchtig und exotisch. Das Eis ist grün, rot, gelb, blau und manches Mal von allem ein bisschen. Was ihre Kreativität betrifft, ist die Branche seit Jahrzehnten bestens unterwegs. Bis zu 60 Sorten haben manche Eisdielen im Sommer im Programm – einige sogar noch mehr. Die Experten lieben es, immer wieder neue Varianten zu kreieren und den Gästen zu servieren. Das kommt prima an und dennoch stehen die Klassiker nach wie vor ganz oben in der Liste der beliebtesten Eisvarianten. Dazu zählt vor allem das Spaghetti-Eis.

Dass Liebespaare am schnellsten beim gemeinsamen Eis essen zueinander finden, wird immer wieder behauptet. Beweisen lässt sich diese Wirkung rein wissenschaftlich zwar nicht, dennoch hat ein Besuch in der Eisdiele einen ganz besonderen Charme. Denn die warme Jahreszeit setzt eine Menge Glückshormone frei, bei denen die Winterklassiker wie Stippgrütze oder Grünkohl eher nicht mithalten können. Beim Eiskaffee, Schoko- oder Früchtebecher wird die Zuneigung zum Gegenüber möglicherweise beschleunigt. Fakt ist, dass in einem Eiscafé mehr glückliche Menschen sitzen als sonst in einer Form der Gastronomie. Nahezu jeder Gast wirkt gut gelaunt. Das ist jedenfalls das Fazit nach Beobachtungen des Autors aus den Jahren 1980 bis heute. Ausnahmen bestätigen diese Regel natürlich.

Der Eiswagen zählt im Sommer zu den gefragtesten Fahrzeugen in Wohnsiedlungen. Es sei für ihn immer wieder schön zu erleben, wenn die Menschen vor den Häusern auf ihn warten, sagt der Eisverkäufer. Vor allem die begeisterten Augen der Kinder seien für ihn etwas ganz Besonderes und immer wieder Motivation, allabendlich seine Runden zu drehen. Die markante Klingel an seinem Auto habe aber auch bei den Erwachsenen eine Signalwirkung. Und der Mann beobachtet auch beim Straßenverkauf, dass die Klassiker nie aus der Mode kommen. Dennoch sei eine gewisse Experimentierfreude durchaus erkennbar.

Den Durchbruch erlebte das Speiseeis in Deutschland in den 1950er Jahren. Seinerzeit entdeckte man zwischen Oberammergau und Flensburg das besondere Lebensgefühl von „Bella Italia“. Reisen an die Adria, nach Rom, Neapel oder an den Gardasee prägten jene Zeiten, deren faszinierende Wirkung bis heute geblieben ist – und die sich auch bei Speisen wie Pizza oder Lasagne hält. „Ich freue mich auf die neue Saison“, sagt der Eisverkäufer gegen Ende des Gesprächs. Ab der ersten Aprilwoche geht die so richtig los. Endlich!

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