Auf Anhieb hat es für René Rast mit dem Titel geklappt. Gleich in seiner ersten Saison gewann der Mindener mit Audi die Deutsche Tourenwagen Masters (DTM). Das Saisonfinale auf dem Hockenheimring war für den 30-Jährigen ein einschneidendes Erlebnis. „Darauf habe ich jahrelang hingearbeitet“, sagt er im Gespräch mit news-Redaktionsleiter Carsten Korfesmeyer. Darin erzählt er noch einiges mehr über seinen Sport.

DTM-Sieger René will seinen Erfolg erst einmal sacken lassen und dann weiter Rennen fahren. Wo, weiß der Wahl-Österreicher aber noch nicht.

Herr Rast, ein paar Wochen liegt Ihr DTM-Sieg inzwischen zurück. Haben Sie schon alles realisiert?

(lacht) Das weiß ich ehrlich gesagt immer noch nicht. Ich warte immer darauf, dass es mal „Klick“ macht. Ich genieße den Erfolg sehr und freue mich einfach riesig. Für mich ist ein großer Traum in Erfüllung gegangen.

Wie haben Sie den Siegmoment im Cockpit erlebt?

Gar nicht – und das ist kein Witz. In der DTM gibt es ein Funkverbot. Das heißt, ich kann über Funk zwar sprechen, bekomme aber keine Infos. Seit dieser Saison gibt es in der DTM das verschärfte Kommunikationsverbot. Auch über die Boxentafeln darf dem Fahrer während des Rennens nichts mitgeteilt werden, außer dass er in der nächsten Runde in die Box muss.

Das heißt, Sie fuhren als Zweiter durchs Ziel und hatten von dem Gesamtsieg noch keine Ahnung?

Na klar wusste ich, dass wir eine Chance haben. Ob es geklappt hat, habe ich erst nicht gewusst. Es ging ja sehr eng zu und nachdem ich durchs Ziel fuhr, gab es zunächst auch gar keine Reaktionen. Das lag daran, dass erst alle durchs Ziel mussten. Dann aber wurde kräftig gejubelt und gefeiert. Darauf habe ich jahrelang hingearbeitet. Ich sehe mich am Ziel.

Klingt, als seien sie als Rennfahrer insgesamt am Ziel.

So ist das auch. Ich wollte immer die DTM gewinnen.

Aber es geht doch weiter? Oder wollen Sie wie Nico Rosberg aufhören, wenn es am schönsten ist?

Ich werde selbstverständlich weiter Rennen fahren. Momentan muss ich allerdings sagen, dass ich mir ein neues Ziel erst stecken muss. Le Mans zu gewinnen, wäre so eins. Wie es mit der DTM weitergeht, entscheide ich noch und das hängt auch davon ab, was mit der DTM generell wird. Ich bin auf jeden Fall nicht so der Typ, der sie zwei, drei, vier oder noch mehrere Male gewinnen muss, um zufrieden zu sein.

Wäre die Formel Eins ein solches Ziel?

Nein, für mich stellt sich diese Frage nicht.

Der DTM-Erfolg hat Sie noch bekannter gemacht. Hat sich ihr Leben dadurch verändert?

Mich als Mensch sicherlich nicht. Aber ich merke schon, dass ich seidem mehr Anrufe oder Pressetermine habe. Heute habe ich beispielsweise einen Termin nach dem anderen (lacht). Auf der Straße werde ich auch öfter mal erkannt. Das ist mir vorher nicht so oft passiert. Erst vorhin habe ich in Steyerberg getankt und dabei richtig gemerkt, wie ich angeguckt wurde.

Was für ein Typ muss ein Rennfahrer sein?

Das ist pauschal nicht zu beantworten. Nico Rosberg ist eher ein zurückhaltender Fahrer, während Lewis Hamilton im Rennen eher aggressiv unterwegs ist. Ich denke, dass es viel wichtiger ist, dass sich ein Fahrer mit seinem Auto beschäftigt und ein technisch gutes Gespür hat.

Baut man ein emotionales Verhältnis zum Auto auf?

(lacht) Also ich bestimmt nicht. Für mich ist es ein reines Arbeitsgerät.

Wie schafft man es denn, ein Auto durch und durch kennenzulernen? Reicht das reine Fahren allein aus?

Das hängt noch von Vielem mehr ab. Wir haben beispielsweise einen Fahrsimulator, der vom Prinzip her wie ein Rennspiel auf dem Computer funktioniert. Der Unterschied ist, dass ich in dem Simulator wie im Rennwagen sitze und alles ganz genau aufgezeichnet wird. Es ist, als sei  ich tatsächlich auf der Strecke. Das, was wir an Erkenntnissen gewinnen, wird anschließend ganz genau ausgewertet. Enger Kontakt zum Hersteller und zu den drei Ingenieuren des Teams ist natürlich auch wichtig.

Als Sie im Oktober in Minden auf dem Marktplatz gefeiert wurden und ihre Drifts machten, sah der Erfolg so einfach aus…

…der ist ganz sicher nicht so einfach. Als Rennfahrer ist man nicht nur auf der Strecke unterwegs und hat den Rest der Woche frei. Dahinter steckt sehr viel Arbeit unter der Woche. So „easy“ ist das Leben bestimmt nicht. Es geht oft um kleinste Details und dann wird das Auto wieder komplett auseinandergebaut und anschließend wieder zusammengesetzt.

Wie war das denn, so viele Menschen auf dem Marktplatz zu treffen?

Das war schon ein sehr emotionaler Moment. Zu wissen, dass die alle nur meinetwegen gekommen sind, war ein klasse Gefühl. Ich habe zwar mit ein paar Leuten gerechnet, aber mit Hunderten ganz bestimmt nicht.

Mit ihrer Freundin und ihrem einjährigen Sohn wohnen Sie in Bregenz. Warum Österreich und nicht Minden?

Das war eine ganz bewusste Entscheidung. Bregenz ist eine tolle Stadt. Wir haben den See vor der Tür und die Alpen im Hintergrund.

Mit Ihrem Manager Dennis Rostek gehen Sie seit zwölf Jahren durch Dick und Dünn. Wie oft sehe Sie sich? Und wie oft sind Sie in Minden?

Mit Minden verbindet mich nach wie vor viel, allerdings bin ich auch viel unterwegs und schon deshalb nicht mehr so oft in der Stadt. Dennis spreche ich aber fast täglich und wir sehen uns bestimmt 20 Mal im Jahr.

Steckbrief René Rast

  • geboren am 26. Oktober 1986 in Minden
  • aufgewachsen in Steyerberg
  • Kartsport von 1996 bis 2001
  • Wechsel in den Tourenwagensport 2005 und Vizemeister im Polo-Cup
  • Sechs Siege und Vizemeister im Porsche Supercup 2009
  • Sieger im Porsche Supercup 2010, 2011 und 2012
  • Gewinn der ADAC GT Masters 2014
  • 2016 erster Einsatz in der DTM
  • 2017 Sieger der DTM

Quelle: wikipedia.de

 

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