Winterliche Straßenverhältnisse stellen besonders die Fahranfänger vor hohe Herausforderungen. Das Auto bei Schnee und Eis im Griff zu haben, erleben sie zu ersten Mal. Im Vorteil sind diejenigen, die ihren Führerschein in der kalten Jahreszeit machen, wenn der Fahrlehrer dabei ist. // Von Jan Henning Rogge

Wer den Führerschein im Winter macht, kann von der kalten Witterung durchaus profitieren

Schnee, Hagel, Eisregen, Nebel, dazu gefühlte ewige Dunkelheit: Kaum jemand fährt im Winter wirklich gerne Auto. Wenn dann noch die Reifen durchdrehen und das Auto ohne eigenes Zutun durch die Kurve driftet, als würde man beim Chicago-Police-Department flüchtige Verbrecher verfolgen, ist die Lust verflogen. Kurz: Autofahren kann im Winter wirklich nerven. Das trifft natürlich besonders die, die es gerade erst lernen.

Wer den Führerschein im Winter macht, sorgt sich allerdings meist weniger ums Fahren bei schlechtem Wetter sondern um eins: das es teuer wird. Doch zumindest zu einem kleinen Teil lassen sich diese Kosten verringern – und ein gewaltiger Vorteil bleibt: Wer mit einem Fahrtrainer an seiner Seite die schwierigsten Situationen im Leben eines Autofahrers bereits üben konnte, ist bestens vorbereitet, auch alleine durch den Winter zu kommen.

Die wohl größte Schwierigkeit für viele ist das Anfahren auf glatten Straßen: Schnell drehen hier die Reifen durch, im schlimmsten Fall kommt das Auto jetzt ins Rutschen. Viele moderne Autos bieten zwar inzwischen Anti-Schlupf-Systeme an, die in solchen Situationen das Durchdrehen der Reifen verhindern. Doch gerade Fahranfänger sind oft mit älteren, weniger gut ausgestatteten Fahrzeugen unterwegs – und auch nicht bei jedem Neuwagen gehört ein solches System zur Serienausstattung.

Das Gefühl für Gas und Kupplung will generell gelernt sein. Auf Glatteis wird das Spiel mit den Pedalen zur Millimeterarbeit. Doch klar ist: Wer auf einer vereisten Straße problemlos ins Rollen kommt, wird auf trockener Straße erstrecht keine Probleme haben. Auch das Kurvenfahren stellt im Winter eine besondere Herausforderung dar. Auch hier helfen heute moderne Assistenzsysteme. Doch wie man gegenlenkt, wenn plötzlich das Heck ausbricht oder das Auto trotz eingeschlagenem Lenkrad weiter geradeaus fährt, kann man mit einem Fahrtrainer im Winter auch außerhalb eines Verkehrsübungsplatzes trainieren.

Der Albtraum vieler Autofahrer aber ist und bleibt das Versagen der Bremsen. Das Antiblockiersystem ist heute fast schon Standard – trotzdem stellt das Bremsen auf Schnee und Eis noch immer eine Herausforderung dar. Denn während das System zwar verhindert, dass das Auto ausbricht oder wegrutscht, sorgt es noch lange nicht dafür, dass das Auto ebenso schnell zum Stehen kommt, wie im Sommer.

Schließlich kommen noch die Königsdisziplinen: bergauf und bergab. Eine vereiste Abfahrt im Weser- und Wiehengebirge kann ähnlich fordernd sein, wie eine Alpenstrecke – zum Glück sind in unseren Breiten aber nur kurze Strecken zu absolvieren. Die Motorbremse kann hier vor schlimmen Unfällen retten. Wie das geht, erklärt der Trainer auf dem Beifahrersitz.

Über allzu hohe Kosten sollte man sich nicht den Kopf zerbrechen. Vielleicht sind zu Beginn ein paar Fahrstunden mehr nötig – wer bei Schnee und Eis sicher im Straßenverkehr unterwegs ist, hat diese Kosten aber manchmal schneller wieder raus, als gedacht: Weil er sich den ein oder anderen Blechschaden oder schlimmeres erspart. Wer die Kosten minimieren will, kann Grundtechniken mit einem privaten Auto ja schon mal auf einem Verkehrsübungsplatz trainieren: Die nächsten Plätze sind in Oerlinghausen und Hannover-Laatzen. Anfahren, Bremsen und die Sache mit dem Schulterblick kann man dort trainieren – am besten nach den ersten Fahrstunden, um Papis oder Mamis eingestaubtes Regelwerk kritisch hinterfragen zu können.

Einen Motorradführerschein im Winter zu machen halten die meisten Experten übrigens für keine gute Idee – viele Fahrschulen haben ihre Maschinen im Winter deshalb abgemeldet. Zwar spricht bei schnee- und eisfreien Straßen zwar nichts gegen Fahrstunden – wer aber mal auf einem Motorrad bei Minusgraden unterwegs war weiß: Es ist kalt. Sehr kalt. Hinzu kommt das Risiko, dass die Ausbildung bei einem Wintereinbruch unterbrochen werden muss und damit gelernte Techniken wieder in Vergessenheit geraten. Wer unbedingt schon vor der Motorradsaison mit dem Führerschein beginnen will, sollte sich zunächst am theoretischen Teil versuchen.

Nebenbei: Schnee und Eis verunsichern auch immer noch gestandene Autofahrer. Viele Fahrschulen bieten nicht zuletzt auch deshalb extra Schulungen an, um auch alten Hasen mit Tipps und Tricks hilfreich durch den Winter zu helfen.

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