Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica wird am Sonntag, 8. Juli, wiedereröffnet. Mehr als zwei Jahre dauerten die Arbeiten an dem Monument, dessen Ringterrasse nun wieder in ursprünglicher Größe steht. Und im Innern befindet sich ein Besucherzentrum und das Restaurant „Wilhelm 1896“, das einen unvergleichbaren Ausblick bietet.

Wiedereröffnung des Portaner Wahrzeichens am 8. Juli mit viel Programm

Am Kaiser selbst geht es wenige Wochen vor der Wiedereröffnung eher unaufgeregt zu. Die Bauarbeiter gehen in gewohntem Tempo ihrem Job nach, Fahrzeuge stehen auf der Ringterrasse und in ihrem Inneren wird eingeräumt und aufgebaut. Alles soll fertig sein, wenn das Wahrzeichen von Porta Westfalica am Sonntag, 8. Juli, wiedereröffnet wird. Es soll ein großes Ereignis werden – mit Ehrengästen en masse, viel Trubel und Programm. Wie viele Menschen kommen, können selbst die Macher am Denkmal nicht genau sagen. Es werde aber sehr viel Besuch sein, heißt es.

Rund 16 Millionen Euro sind in das von 1892 bis 1896 errichtete Bauwerk investiert worden. Tonnenweise Zement wurde in den Sockel gepumpt, um ihn standfest zu halten. Die Ringterrasse, die nach Kriegsende aufgrund von Einsturzgefahr teilweise gesprengt werden musste, ist wieder komplett und die Bauherren vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) nutzten die Gelegenheit, im Zuge der Bauarbeiten das gesamte Areal aufzuwerten und fit für die Zukunft zu machen. Am Kaiser gibt es nun wieder Gastronomie – und im Besucherzentrum die Möglichkeit, sich über die wechselhafte Historie des Ortes zu informieren. Der LWL will die Verweildauer steigern. Blieb der Durschnittstourist bisland nur etwa 20 Minuten, werden es nach Expertenmeinung ab sofort 1,5 Stunden sein.

Draußen sticht die helle Ringmauer sofort ins Auge. Der Obernkirchener Sandstein hebt sich deutlich von den alten Portasandstein-Resten ab, die an den Rändern erhalten geblieben sind. Manche Betrachter stoßen sich an der Optik. Dr. Gerhard Franke, Vorsitzender des Denkmalfördervereins und jahrzehntelang Kreisheimatpfleger, behauptet, dass für die Sanierung der Mauer genügend Portasandstein vorhanden gewesen wäre. Die Entscheider hätten nur fragen müssen. Mathias Gundler widerspricht. Der Bauleiter der Westfälisch-Lippischen Vermögensverwaltungsgesellschaft (WLV) – einer Tochter des LWL, dem das Denkmal gehört – betreut das Millionenprojekt auf dem Wittekindsberg seit der Planungsphase. „Es gibt keine geöffneten Steinbrüche, wo sofort Portasandstein abgebaut werden könnte.“ Aufgrund der Beteiligung etlicher Behörden wären Jahre verstrichen, bevor Genehmigungen vorgelegen hätten. „Und dann braucht man noch einen Unternehmer, der das Material brechen kann.“ Der Aufwand sei beträchtlich, sagt Gundler: Für 800 Kubikmeter Naturstein, der verbaut wurde, muss das 20-fache an Material abgetragen werden.
Überdies hätte sich aus Altersgründen auch „junger“ Portasandstein von den alten Mauerresten abgehoben. Und es gebe sogar historische Gründe, die für die festere, hellere Obernkirchener Variante sprechen. Gundler benennt einen prominenten Kronzeugen: Denkmal-Architekt Bruno Schmitz. Der habe seinerzeit für den Kuppelbau eigentlich Obernkirchener Stein dem tatsächlich verbauten Portasandstein vorziehen wollen.

Der Vorplatz erhält „denkmalgerechten Gussasphalt mit Kieseinstreuung“, erklärt Gundler. Arbeiter verkleiden die Zugänge zum Besucherzentrum mit Aluminiumpaneele. Eine steile Treppe – alternativ ein Aufzug – führt zum Herzstück des „Wilhelms“. Der Zugang verdeutlicht, wie tief im Berg die neue Attraktion liegt. Grauer Beton, dunkelbraunes Holz, weiße Decken – diese Farb- und Materialkomposition zieht sich durchs Besucherzentrum. An Ausstattung spare man nicht, betont Gundler. Das Geld, das bei den aufwendigen Tiefbauarbeiten im Berg „versenkt“ wurde, will der WLV nicht mithilfe von billigem Interieur wieder herausholen.

Der LWL setzt auf die Bedeutung des Denkmals als Wahrzeichen und Ausflugsziel, nicht auf die Person des Kaisers. Die Menschen, die den Weg zum Monument auf sich nehmen, sollen den Aufenthalt genießen und sich informieren können. Als einzigartig wird der Ausblick beschrieben, der sich den Besuchern im Panoramarestarant bietet. Bei gutem Wetter reicht die Sicht bis zum Steinhuder Meer – und das Lokal bietet mit einer sehr facettenreichen Karte jede Menge Gerichte. „Es gibt eine Tageskarte und eine separate Karte für Abendgastronomie“, sagt Inhaber Lars Rohlfing. Der neue Kiosk auf dem neu gestalteten Denkmalsvorplatz bietet den Gästen Imbissangebote sowie die Möglichkeit, Souvenirs zu kaufen.

Alle Verantwortlichen sind überzeugt, dass der Tourismus in der Region von den Investitionen am Kaiser-Wilhelm-Denkmal profitiert. Das so genannte interkommunale Handeln ist gefragt – und die umliegenden Städte wollen ihre Zusammenarbeit in dieser Hinsicht weiter ausbauen. So wird es an den Wochenenden beispielsweise einen Shuttleverkehr von Kanzlers Weide in Minden bis zum Denkmal geben. Denn das Parken am Kaiser könnte vor allem in der Anfangsphase zu einem großen Problem werden, denn auf dem Parkplatz stehen lediglich 176 Stellflächen zur Verfügung. Ein Parkleitsystem sowie ein zusätzlicher Platz im Tal sollen die Situation entspannen. Bis zur Eröffnung soll auch das alles fertig sein.

Auf jeden Fall freuen sich alle auf die Eröffnung und den Abschluss der Arbeiten. Rund 150 000 Besucher werden das Denkmal nach Schätzung des LWL künftig pro Jahr besuchen. Mit dem 8. Juli bleiben allerdings noch einige Aufgaben bestehen. Dazu zählt auch, wie es mit den vielen Wanderwegen am Südhang weiter geht. Die bieten neben ihren schönen Aussichten in die Landschaft auch einige Sehenswürdigkeiten, doch sie stehen im so genannten Wildnisentwicklungsgebiet. Ob sie betreten werden dürfen, ist noch nicht endgültig geklärt. Den Wald betreten zu dürfen, fordert aber eine breite Masse. Er müsse „erlebbar“ sein, heißt es.

Share Button