Einer Pflichtübung, die im 17. Jahrhundert mit etwas Angenehmen verbunden werden sollte, hat Minden im Jahr 1682 das Entstehen seines bedeutendsten Fest zu verdanken: das Freischießen. Nach drei Jahren läuft es wieder und wird jetzt immer in den ungeraden Jahreszahlen gefeiert.

Reenactment und ein „Fest des Lichts“: Neuerungen beim Mindener Freischießen vom 6. bis 9. Juli / Programm für alle Generationen

Drei Jahre hat es kein Mindener Freischießen gegeben. Diese Pause sei man bewusst eingegangen, um in einen anderen Rhythmus zu kommen. Jetzt läuft die Traditionsveranstaltung des ältesten Mindener Vereins in den den ungeraden Jahren und nun muss nicht mehr die Fußball Welt- und Europameisterschaften im Blick behalten, die meist zeitgleich liefen. „Dafür mussten wir sogar unsere Satzung ändern“, sagt Stadtmajor Heinz Joachim Pecher (57) in der Pressekonferenz zum Freischießen 2017. Die Zeit des Wartens ist vorbei und ihm eine gewisse Erleichterung anzusehen.

Pecher verspricht ein Programm für jede Generation, das Tradition und Moderne miteinander verknüpft. Gezielt will man die Jüngeren erreichen und das Programm sei voller Höhepunkte. Musikgenuss auf den Bühnen gibt es gratis und der Stadtmajor sieht darin ein Alleinstellungsmerkmal. „Wo gibt es das noch?“ Und mit dem Reenactment und dem „Fest des Lichts“ habe das Bürgerbataillon zwei ganz starke Neuheiten zu bieten.

Denn im Rahmen der vielen Reenactment-Aktivitäten taucht auch das Freischießen in historische Personen und Kostüme. „Unbestritten eine Bereicherung für das älteste Fest Mindens“, sagt Pecher. Am Samstag und Sonntag finden unter der Rathauslaube historische Verhandlungen des Militärgerichts statt. Zudem wird das bürgerliche Leben aus der wilhelminischen Zeit in der Innenstadt präsentiert. Eine weitere Neuerung ist das „Fest des Lichts“. Der heimische Licht-Künstler Oliver Roth taucht den Festplatz dann in Bilder und Farben. Und auch Fotos sind zu sehen. „Die Digitalisierung ist auch bei uns längst angekommen“, sagt Pecher. An der Martinitreppe werden aktuelle Freischießen-Bilder auf einem großen  Bildschirm projiziert. So weiß man immer, wo woanders etwas los ist.

Das Mindener Freischießen hat sich längst zu einer großen Veranstaltung entwickelt, die sich  der Bürgerschaft in allen Belangen geöffnet hat. „Wir müssen unsere Tradition mit einer modernen Verpackung präsentieren“, heißt denn auch das Motto, unter dem alle Bemühungen von Bataillon, Kommissionen und Einheiten standen, um den Mindenern und ihren Gästen wieder ein Erlebnis der besonderen Art zu garantieren.

Es gilt dabei weiterhin den Besuchern das gesamte Bataillon mit all seinen vielen unterschiedlichen Facetten zu präsentieren. So, wie es wirklich ist. Und nicht, wie es manch immer noch nörgelnder Kritiker sehen will. Transparenz ist seit Jahren der Schlüssel, der dem Bataillon den Zugang zu den Menschen sichtlich erleichtert. „Wir wollen uns nicht hinter dicken Mauern verstecken, sondern die Öffentlichkeit an unseren Aktionen teilhaben lassen. Wir müssen auf die Bürger zugehen und wir werden es auch tun“, sagt Pecher, der seit dem 8. März 2013 der Stadtmajor ist.

Sich der Öffentlichkeit immer stärker und interessanter zu präsentieren, das ist eines der Ziele, dass sich das Bürgerbataillon für das Freischießen gesteckt hat. Zur Präsentation gehört aber auch, dass man sich mal von alten „Zöpfen“ trennt, gilt es doch den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Zahlreiche Veranstaltungen, gerade auch in jüngster Vergangenheit, haben bewiesen, dass sich das Bürgerbataillon den Mindener Bürgern stellt. „Minden blüht auf“ ist das beste Beispiel bürgerschaftlichen Engagements für seine Heimatstadt. Nach wie vor kommt der Paradetag am Samstag gut an. „Damit haben wir der Bevölkerung sehr viel bessere Möglichkeiten geschaffen, sich an unseren Ausmärschen zu beteiligen oder ihnen als Zuschauer beizuwohnen“, sagt der Stadtmajor. Die Hoffnung, dass sich der Schritt sowohl in Mitmarschierern, die den erkennbaren Aufwind des Bürgerbataillons auch als Ansprache zu einer Teilnahme sehen sollen, als auch in den Zaungästen an den Straßen und Plätzen niederschlagen wird, haben sich bei den ersten vier Freischießen dieser Art erfüllt. Daher ging es zuletzt lediglich noch darum, den Freitag so attraktiv zu machen, dass auch er als einer von drei Haupttagen angenommen wird.

Der Freitag wird erneut für alle Einheiten zum Wachtag ausgerufen. Eine vor vier Jahren vorgenommene gravierende Veränderung hat sich als absolut positiv, weil im Ergebnis für den Bürger nachvollziehbar, erwiesen. Das Königsschießen findet seit 2010 nicht mehr – wie in den Jahren seit dem Umzug von Kanzlers Weide in die Innenstadt – am Paradetag, sondern bereits am Wachtag statt. Und das wird auch in diesem Jahr so bleiben. „Viele Bürger haben sich stets gefragt, warum am Paradetag die alten Majestäten die Front abnehmen und in der Kutsche durch Alt- und Innenstadt fahren“, sagt der Stadtmajor. „Wir werden der Mindener Bevölkerung auch 2017 beim Parademarsch nur noch die neuen Könige präsentieren. Ürigens eine Idee, die aus einer Einheit kam.

Die gravierendste Veränderung war vor 15 Jahren die Wiedereinführung der Junggesellen-Kompanie. Ein Schritt, der die Zukunft der ältesten Mindener Tradition dauerhaft sichern helfen soll und einer, der von der Bürgerschaft nicht nur begrüßt, sondern, das zeigte allein der Parademarsch durch die Altstadt, mit riesigem Applaus bedacht wurde. Diese Junggesellen-Kompanie wurde auf Anhieb von den Mindenern geliebt. Als Königskompanie hoffen die Junggesellen auf großen Zuspruch. Nach wie vor geht es darum, dass die jungen Männer im Alter von 16 bis 29 Jahren am Freischießen-Freitag und -Samstag unvergessliche Tage erleben, bei dem Spaß und Freude regieren sollen.

Musikalisch präsentiert das Mindener Bürgerbataillon seinen Gästen ein erstklassiges, abwechslungsreiches Programm. „Promise“, „The Roxx“, „Brisant“, „Foxy & the Pop Shop Boys“, „Sunshine-Musik”, „Wonna Beatz”, sowie die „summerBASE“ sollten für jeden Musikgeschmack etwas bereit halten. „Wir haben das Unterhaltungsprogramm ganz bewusst qualitativ gesteigert“, sagt Pecher. „Durch die Mediation findet das Stadtfest nur noch alle zwei Jahre statt. Da müssen wir auch den Stadtfest-Fans im Freischießen eine Alternative bieten.“

Und damit diese auch genutzt wird, hat man nicht nur das Band-Programm aufgewertet, man greift auch auf den in der Region bislang einmaligen Event, der schon zur Tradition zählt, zurück. Am Freischießen-Freitag steigt wieder die „summerBASE“. Zahlreiche  DJs heizen den Besuchern so richtig ein. Unterschiedliche Musikrichtungen sind garantiert. Bei der Premiere war einer der DJs im Rahmen eines Contests ermittelt worden. Viel Gas gibt das Bataillon aber auch für den Freischießen-Sonntag. Der gilt als Familientag. Und hier forciert dasBürgerbataillon insbesondere seine nicht nur in Worte gefasste, sondern auch längst in die Tat umgesetzte Nachwuchsarbeit. Das „Freischießen für Kids“ wird erneut der Schwerpunkt des abschließenden Festtages „Zwischen Rathaus und Dom“ sein. Sechs Stunden lang kommen die Kids im Alter von vier bis 15 Jahren voll auf ihre Kosten. Dazu beitragen wird sicherlich auch Deutschlands aktuell bekanntester Kindersänger, Volker Rosin.

Wie gehabt bleiben der Mittwoch und Donnerstag. Am Mittwoch findet traditionell das Grünholen in den nahe gelegenen Wäldern statt, der Donnerstag steht dann ganz im Zeichen des Einbringens der Fahnen, der Serenade und des Ökumenisches Gottesdienstes, der diesmal im Mindener Dom stattfindet. Einer der Höhepunkte ist traditionell der Schlusspunkt eines jeden Freischießens: der Große Zapfenstreich. Der findet wieder vor der Kulisse des Preußen-Museums auf dem Simeonsplatz statt.

www.mindener-freischiessen.de

Foto: O. Hallmann

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