Verwunschene Inseln

In diesem Jahr feiert ganz Europa Valletta, die Hauptstadt Maltas, als Europäische Kulturhauptstadt. Kein Wunder, denn „Die Königin des Mittelmeers“ vereint auf nur einem Quadratkilometer Fläche so viele Sehenswürdigkeiten wie kaum eine andere Metropole auf der Welt. Hier haben Phönizier, Griechen, Römer, Vandalen, Araber, Spanier, Franzosen und Engländer ihre Spuren hinterlassen. Eine faszinierende Stadt, ein faszinierendes Inselarchipel, das aus den drei Schwestern Malta, Gozo und Comino besteht. Alle drei erkundet Carola Hoffmeister in ihren Reportagen. Dabei geht es nicht nur um landschaftliche und bauliche Schönheiten, sondern bei ihr stehen Menschen im Mittelpunkt. Das macht diesen schmalen Band zu etwas Besonderem, sehr Persönlichem. Sie besucht biologisch betriebene Obst- und Gemüseplantagen, begleitet Taucher in das Unterwasserreich von Gozo, lässt sich von einer Fernsehköchin die Zubereitung des bekanntesten maltesischen Imbisses erklären, erkundet unterirdische Tempelanlagen, spricht aber auch mit engagierten Helfern über die Flüchtlingsproblematik . Wer immer sich für die drei Inseln interessiert, vielleicht den nächsten Urlaub dorthin plant, sollte neben den traditionellen Reiseführern auch auf jeden Fall in dieses Büchlein schauen. Ich bin sicher, er oder sie wird sich von den kundigen, unterhaltsamen Geschichten mitreißen lassen. Cornelia Hoppe

Leserreise Malta von Carola Hoffmeister, Picus Verlag Wien, 130 Seiten, 15,00 Euro

 

Verwirrende Gefühle

Julias Leben ist durch den Unfalltod ihrer Mutter völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Bisher was sie zuversichtlich und selbstbewusst, doch nun fehlt ihr einer der wichtigsten Menschen in ihrem Leben und – noch schlimmer – sie fühlt sich auch mitverantwortlich für dem Unfall. Dann entdeckt sie in den Sachen ihrer Mutter einen Liebesbrief von einem völlig unbekannten Mann. Offenbar ein französischer Parfümeur, der ihrer Mutter regelmäßig ein ganz außergewöhnliches Parfüm an ein Postfach geschickt hat. Julia findet keine Ruhe und will diesen verwirrenden Hinweisen nachgehen. Sie reist in die Provence, nach Roquefort-les-Pins, wo dieser Mann lebt. Von Beginn an ist sie verzaubert von diesem Ort und der Landschaft drum herum. Doch Antoine Lefort kann sie nicht mehr befragen, denn kurz vor ihrer Ankunft ist er gestorben. Auf dem Gelände lernt sie seinen Sohn Nicolas kennen, einen renommierten Maler aus Paris, angereist, um sich um den Nachlass zu kümmern. Bei ihm, seinen Freunden und Nachbarn fühlt sich Julia sofort  wohl. Sie ist fasziniert von der Welt des Parfüms, die ihr Nicolas näherbringt, denn er ist nicht nur ein begnadeter  Maler, sondern beherrscht auch, wie sein Vater, die Kunst der Parfümherstellung. Hier scheint sie endlich etwas zur Ruhe zu kommen. Doch die Frage nach der geheimnisvollen Beziehung zwischen ihrer Mutter und Antoine Lefort beschäftigt sie weiter. Sie ahnt nicht, wie sehr sie mit ihren Nachforschungen nicht nur ihr eigenes, sondern auch das Leben vieler anderer Menschen völlig auf den Kopf stellen wird. Ein zauberhafter Sommerroman. Cornelia Hoppe

„Lavendelträume“ von Gabriele Diechler, Insel Verlag Berlin, 409 Seiten, 9,95 Euro

 

Welche  Wahrheit ist die Richtige?

Francesca Howe ist eine erfolgreiche Frau um die vierzig. Von Ihren Eltern hat sie die Leitung mehrere Hotels übernommen. Doch ihre Vergangenheit wird überschattet von zwei dramatischen Unfällen, die sie seit vielen Jahren erfolgreich verdrängt hat. Bei einem dieser Unglücke ist ihre beste Freundin Sophie verschwunden, vermutlich im Meer ertrunken. Die Umstände blieben ungeklärt, eine Leiche wurde nie gefunden. Das Meer bei Oldcliffe-on-Sea ist tückisch. Nun, nach 18 Jahren, erhält sie einen Anruf von Daniel, dem Bruder ihrer Freundin. Er bittet sie um Hilfe, weil er endlich das Verschwinden seiner Schwester aufklären will. Widerstrebend willig sie ein und reist für ein paar Tage in den früheren Wohnort zurück. Keine gute Entscheidung, wie sich schnell herausstellt. Die Nachforschungen bleiben erfolglos. Motive, Sophie etwas an zu tun, hätten mehrere Menschen gehabt, doch niemand sagt die Wahrheit. Viele Menschen im Ort haben zudem Vorbehalte gegen Francesca. Noch dazu wird ihr die Wohnung, in der sie Daniel untergebracht hat, zunehmend unheimlicher. Nachts hört sie ständig ein Baby schreien, obwohl es kaum Bewohner im Haus gibt, es scheint ihr, als hielte sich in ihrer Abwesenheit  jemand in ihrer Wohnung auf, sie erhält beängstigende, anonyme Nachrichten und glaubt immer wieder, ihre verschwundene Freundin Sophie irgendwo zu sehen. Will sie jemand in den Wahnsinn treiben? Bis zum Schluss hat der gefesselte Leser keine Ahnung, wessen Wahrheit die richtige ist. Beklemmend und raffiniert.  Cornelia Hoppe

„Missing“ von Claire Douglas, Penguin Verlag München, 445 Seiten, 13,00 Euro

 

Echte Auszeit im Urlaub

Ist es Ihnen in Ihrem letzten Urlaub gelungen, sich tatsächlich mal eine komplette Auszeit zu gönnen, total abzuschalten? Wenn nicht, sollten Sie vor ihrem nächsten Urlaub vielleicht mal einen Blick in dieses Buch werfen. Die US-Reisejournalistin bietet Tipps und Tricks, wie es gelingen kann, den Alltag und alte Gewohnheiten zu Hause zu lassen, zu sich selbst zu finden und wirklich neue Eindrücke zu gewinnen. Zum Beispiel mit Karten und Kompass, statt Netz und Handy. Mit einem Skizzenbuch, einem Reisetagbuch oder  Postkartenschreiben. Sie empfiehlt Gespräche mit Einheimischen, Probieren einheimischer Köstlichkeiten, vieles zu Fuß zu erkunden und abseits vorgegebener Touristenwege zu schauen, den Moment einfach zu genießen. Das alles beginnt schon bei der Reisevorbereitung, für die sie vorschlägt, soviel wie möglich sich schon mit dem Reiseziel zu beschäftigen, mit der Musik, der Geschichte, der Architektur, der Kultur, den Menschen und vielleicht ein paar wichtige Begriffe der Sprache zu lernen. Weil man sich dann schon bei der Ankunft  vertraut fühlt. Viele Ihre Tipps erinnern an die frühere Art zu reisen, bevor es Internet und Handy gab. Schön, sich wieder mal darauf zu besinnen. Zur Entschleunigung tragen ihre Tipps auf jeden Fall bei und vielleicht ist man so, neben den Vorteilen für sich selbst,  ja ganz nebenbei auch ein etwas aufmerksamerer, angenehmerer Gast. Kann ja auch nicht schaden. Cornelia Hoppe

„Achtsam Reisen von Sara Clemence, DuMont Reiseverlag Ostfildern, 128 Seiten, 16,99 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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