Späte Wiedergutmachung

Zwei Frauen kehren nach langer Zeit auf die Skylark-Farm an der nördlichsten Atlantik-Küste Cornwalls zurück. Eine Farm, die seit 300 Jahren von der Familie Petherick bewirtschaftet wird, zurzeit von Maggie, ihrer Tochter Judith und deren Sohn Tom. Mit Milchvieh, zwei Gästecottages und Touristenbewirtung. Alice Coates war 70 Jahre nicht mehr dort. Doch nun hat sie Krebs im Endstadium und das Gefühl, vor ihrem Tod noch etwas gutmachen zu müssen, was sie als Dreizehnjährige angerichtet und ein Leben lang verdrängt hat. Sie und ihr älterer Bruder waren während des Krieges auf Skylark untergebracht, um den Bombenangriffen auf London zu entgehen. Und nach einem wundervollen Sommer war Alice mit verantwortlich dafür, dass ein Geheimnis entdeckt wurde, mit katastrophalen Folgen für die Beteiligten. Damals führte Maggies Mutter ein unerbittliches Regiment auf der Farm. Lucy ist die Maggies Enkelin. Sie war vier Jahre nicht mehr zu Hause, weil sie dort alles an ihren Vater erinnert, der einen tödlichen Unfall an den Klippen in der Nähe des Hauses hatte. Nun aber ist ihr Londoner Leben ein Scherbenhaufen: ihr Mann betrügt sie und noch schlimmer, sie hat einen für ein Baby fast tödlichen Fehler auf der Säuglingsstation gemacht, auf der sie arbeitet. Auf Skylark will sie nach einem neuen Weg suchen. Zunächst scheint es, als sei die Entscheidung der beiden so unterschiedlichen Frauen richtig. Doch ist es nicht längst zu spät, einen 70 Jahre zurückliegenden Verrat wieder gut machen zu wollen? Und hat die Skylark-Farm überhaupt eine Chance, weiter zu bestehen? Eine berührende Familiengeschichte, ein herrlicher Schmöker für trübe Wintertage.

„Das Haus der verborgenen Träume“ von Sarah Vaughan, Bastei Lübbe Verlag, 366 Seiten, 15,00 Euro

 

Filigranes aus Papier und Draht

Geht es Ihnen auch so: Bücher wegwerfen fällt unglaublich schwer. Aber oft weiß man nicht wohin mit ungelesenen, zerfledderten, geerbten oder durch alte Schrift unleserlichen Exemplaren. Da kommt der seit einiger Zeit bestehende Trend zum Buchrecycling gerade recht. Denn so kann man aus alten Büchern etwas Neues, Dekoratives entstehen lassen. Gerade Bücher mit Illustrationen und besonderer Schriftart sind ausgezeichnet dazu geeignet. Bücher zu diesem Thema gibt es schon einige, doch dieser Bildband zeichnet sich durch besonders kleine, filigrane Objekte, die oft mit Draht kombiniert werden, aus. Das Buch ist voller wunderschöner Ideen, die zum Ausprobieren, Weiterentwickeln und zum Entwickeln neuer Ideen einladen. Manches ist viel einfacher zu zaubern, als es zunächst aussieht. Zarte Blüten, Kugeln, Ballons, Lampions und Collagen, Mobiles, Lesezeichen, Girlanden und originelle Geschenkverpackungen und vieles mehr. Schritt-für-Schritt-Anleitungen sind durch Zeichnungen ergänzt, die die Vorgehensweise verdeutlichen. Es wird geschnitten, gefaltet und geklebt. Für jeden Geschmack und jedes Talent ist etwas dabei. Ein Buch, das man sicher öfter zur Hand nimmt, denn das kreative Beschäftigen mit so angenehmem Material hat auch etwas Entspannendes und man kann herrlich dabei abschalten.

„Papier-Minis“ von Anke Brüggemann, Haupt Verlag, 191 Seiten, 24,90 Euro

 

Leckeres mit minimalem Aufwand

Ich hasse es, wenn ich Gerichte zubereiten soll, bei denen jede Herdplatte und womöglich auch noch der Backofen belegt sind und trotzdem alles punktgenau fertig werden muss. Für das perfekte Diner wäre ich nie geeignet. Aber dass auch wunderbare Gerichte gezaubert werden können ohne großen Stress, belegt dieses Buch von Kate McMillan, die als Caterer und Kochlehrerin arbeitet. „Ein Blech – fünfzig Gerichte“ so lautet der Untertitel. Ein Gericht ist dabei leckerer als das andere, durch Backen, Braten und Grillen von frischem Fleisch, Fisch, Meeresfrüchten und Gemüse wird ein Höchstmaß an Geschmack erreicht – herrliche Kruste, zartes Inneres, intensive Aromen. Für jeden Tag, für Singles und Familien, für Freizeit und Gäste, entspannt und – ein doppelter Pluspunkt – ohne großen Abwasch und Chaos in der Küche. Vieles lässt sich wunderbar vorbereiten. Es gibt leichter zuzubereitende und kompliziertere Gerichte. Sie können je nach Geschmack und Fähigkeiten variiert werden. Schon beim Durchblättern und Anschauen der großartigen Fotos bekommt man Appetit und Lust, das ein oder andere Gericht am Wochenende auszuprobieren. 
„Das Blechkochbuch“ von Kate McMillan, Callwey Verlag, 111 Seiten

 

Menschliche Abgründe

Im August 1942 wird Detective Chief Inspector Thomas Lamb in das verschlafene Dörfchen Winstead gerufen. Der dortige Pfarrer hat auf dem Friedhof eine ermordete junge Frau entdeckt. Sie wurde von hinten erschossen. Er und seine Frau haben offenbar etwas zu verbergen, aber haben sie etwas mit dem Mord zu tun? Die Spur führt zur Baustelle eines geplanten Kriegsgefangenenlagers, das die Regierung auf dem Gelände eines verlassenen Gehöfts in der Nähe des Ortes errichten will. Dort hat die Ermordete gearbeitet. Auch dort stößt Lamb auf eine Reihe von Ungereimtheiten. Als dort im Keller des alten Gebäudes die Knochen eines Kindes entdeckt und kur darauf die Leiche eines Landstreichers im Wald gefunden wird, überschlagen sich die Ereignisse. DCI Lamb und sein kleines Team können gar nicht schnell genug allen Spuren nachgehen, die bis nach London und weit in die Vergangenheit zurückführen. So sind sie dankbar für jeden Hinweis, auch wenn er von einer zwölfjährigen – Lilly Martin – und einer schrulligen, neugierigen alten Frau – Flora Wheatley- kommen, die offenbar beide gerne nachts im Dorf spionieren. Doch damit bringen sich die beiden in tödliche Gefahr. Ein fesselnder Krimi, mit sympathischen Ermittlern und immer wieder überraschenden Wendungen. Ich bin gespannt auf Fortsetzungen.

„Die Lüben der Toten“ von Stephen Kelly, Bastei Lübbe Verlag, 398 Seiten, 9,00 Euro

 

Cornelia Hoppe

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