Am 7. April ist Weltgesundheitstag – ein Tag, den die Weltgesundheitsorganisation WHO bereits seit 1954 begeht. Wie in den vergangenen Jahren steht auch der diesjährige Gedenktag unter einem Motto: Es geht um die flächendeckende Gesundheitsversorgung.

Weltgesundheitstag nimmt in diesem Jahr die medizinische Infrastruktur zum Schwerpunkt. Alternative Medizin wird immer beliebter, Apotheken setzen auf die Kraft der Natur und Allergien nehmen zu.

Der Appell der WHO: Jeder Mensch sollte Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch nehmen können – unabhängig von Ort und Zeit und ohne dabei in eine finanzielle Notlage zu geraten. In Deutschland eine Selbstverständlichkeit, in vielen Ländern aber nicht.

Doch auch in unseren Breiten ist die ärztliche Versorgung in den letzten Wochen immer wieder an ihre Grenzen gestoßen: Eine heftige Grippewelle sorgte monatelang für überfüllte Praxen, Ausfällen in Betrieben und sogar für Operations-Stopps in vielen Deutschen Kliniken. Und so sehen nicht nur Mediziner das Frühlingserwachen inzwischen mit deutlich positiverem Blick als üblich: Denn mit den steigenden Temperaturen steigt in der Regel auch das Wohlbefinden der Menschen. Erkältungskrankheiten gehen zurück

Doch nicht allen Atemwegen tut der Frühling gut: Eine kleine Schar verzweifelter Allergiker kann den Frühlingsgefühlen der Umgebung nur wenig abgewinnen. Denn kaum regen sich Hasel und Erle, Pappel und Weide, schwellen ihnen die Nasen zu, die Augen tränen – und die nervigste Zeit des Jahres beginnt. Wer fit in den Frühling starten will, hat es als Allergiker nicht leicht. Etwa ein Fünftel der Deutschen leidet unter Heuschnupfen – und löst die Grippekranken in den kommenden Tagen in den Praxen ab.

Bei einer Allergie reagiert der das Immunsystem des Körpers auf einen Stoff von außen. Es erkennt ihn als Feind, obwohl er das nicht unbedingt ist: Es bekämpft den Stoff, dabei bilden sich Anzeichen einer Krankheit. Beim Heuschnupfen sind das zum Beispiel Symptome, wie sie auch bei einer Erkältung auftreten können – daher der Name Schnupfen.

Je nachdem wie stark betroffen ein Allergiker ist, kann die Apotheke als erste Anlaufstelle Hilfe bieten. Hier gibt es freiverkäufliche Medikamente, die Linderung bei triefender Nase oder tropfenden Augen bieten. Zahlreiche Medikamente sind frei verkäuflich, doch Vorsicht: Manche Medikamente dürfen nur über einen bestimmten Zeitraum benutzt werden, andere wirken nur gegen die Symptome. Apothekerinnen und Apotheker wissen genau, welches Medikament wie lange angewandt werden darf und welche Sprays und Tropfen gut oder gar nicht miteinander kombiniert werden dürfen.

Doch wer nicht weiß, wogegen er allergisch ist, sollte das besser zunächst herausfinden: Handelt es sich wirklich um Heuschnupfen? Oder kommen die Beschwerden von Nachbars neuer Katze,den Milben in der Matratze oder doch dem chinesischen Essen? Und wenn es doch die Pollen aus der freien Wildbahn sind, die die Beschwerden verursachen – welche sind es dann genau?

Spätestens im Februar startet die Saison mit der Haselblüte, viele Gräser und zum Beispiel das Küchenkraut Beifuß nerven ihre Opfer bis in den Herbst. Und mit Milben, stechenden Insekten und Pilzsporen hält die Natur noch viele weitere Biokeulen bereit, die allerhand allergische Reaktionen verursachen können.

Ein Gang zu einem Allerlogen ist deshalb unvermeidlich: Mit speziellen Tests können die Mediziner, oft Hautärzte, genau herausfinden, was der Auslöser für allergische Reaktionen ist. Dazu werden auf verschiedenen Stellen auf der Haut Allergieauslöser aufgetragen und später die Reaktionen überprüft.

Sind die genauen Auslöser bekannt, kann eine Hyposensibilisierung helfen. Anders als bei allen Mitteln, Tropfen und Sprays, setzt dieses Verfahren direkt bei der Wurzel des Übels an: In kleinen Dosen wird dem Patienten immer wieder eine kleine Menge des allergieauslösenden Stoffes verabreicht. Dadurch gewöhnt sich der Körper an den Stoff und reagiert nicht mehr über. Das Verfahren ist oft langwierig, bietet aber gute Erfolgschancen – und wird von den Krankenkassen bezahlt.

Wer nicht so viel von der Schulmedizin hält, kann sich natürlich auch an alternativen Heilmethoden versuchen. Wichtig ist: Ein bisschen Information vorab schadet nicht. So gibt es zum Beispiel Hinweise, dass zum Beispiel Globuli durchaus einen positiven Effekt auf Allergien haben können. Eine Untersuchung an der Berliner Charité an rund 400 Probanden hat hingegen gezeigt, das Akkupunktur bei Allergien nichts bewirkt.

Ob Schulmedizin, Beratung in der Apotheke oder alternative Medizin: Auch wenn das Gesundheitssystem in Deutschland viele Schwächen und Probleme hat: Im weltweiten Vergleich kann es sich sehen lassen. Auch am Weltgesundheitstag.

Text: Jan-Henning Rogge

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