Biographie einer Poplegende

Ohne seinen Mitschüler Andrew Ridgeley würde heute vielleicht niemand wissen, wer Georgios Kyriacos Panayiotou war: Sänger, Songwriter und Produzent, besser bekannt als George Michael. Mit gerade mal 18 Jahren gründeten die beiden musik- und tanzbegeisterten jungen Männer die Gruppe Wham! und feierten ungeheure Erfolge. Wie alles begann, von der ersten Begegnung mit Andrew Ridgeley bis zum Abschied von George Michael im Dezember 2016 hat der britische Autor David Nolan alles Wissenswertes zusammengestellt. Entstanden ist das faszinierende Portrait eines außergewöhnlichen Musikers und ganz besonderen Menschen. Seine musikalische und persönliche Entwicklung vom Teen-Idol zum ernst zu nehmenden Künstler und Superstar, sein politisches und privates Engagement, aber auch musik- und zeitgeschichtliche Hintergründe fesseln und unterhalten. Eine Fülle von großartigen Fotos lädt zum Blättern ein. Ein Bild-Text-Band, auf den kein Musikliebhaber verzichten sollte. Ich werde mir auf jeden Fall nach der Lektüre endlich mal wieder  einen meiner ehemaligen Lieblingssongs „I  Knew You Were Waiting“ anhören. Cornelia Hoppe

„George Michael“ von David Nolan, Hannibal Verlag Höfen, 144 Seiten, 29,99 Euro

 

Zufluchtsort in Gefahr

Es ist schon ein bisschen heruntergekommen, ihr Haus in Bellevue Gardens im Norden von London. Einst war es das prachtvollste in der Häuserreihe. Doch für Leonie Brett, die es von einem alten Freund geerbt hat, ist es schon seit vierzig Jahren ihr Zufluchtsort. Und seit vielen Jahren beherbergt sie immer wieder Menschen, die in London gestrandet sind, sich keine teure Miete erlauben können, Freunde und Unterkunft brauchen. Gerade jetzt hat sie die jungen Frauen Rosa und Stef aufgenommen. Rosa ist aus Sorge um ihren Bruder nach London gekommen, und Stef versucht, sich von ihrem vereinnahmenden Freund zu lösen. Schon länger beherbergt Leonie den egoistischen alten Künstler Peter, ein schüchternes Ehepaar aus Kaschmir und den jungen Rick. Doch ihr Zufluchtsort ist in Gefahr. Denn Leonie hat übersehen, dass ihr das Haus gar nicht gehört, sondern dass sie nur einen hundert Jahre geltenden Erbpachtvertrag von ihrem Freund übernommen hatte. Eine Immobilienfirma will nun nach dem Auslaufen dieses Vertrages das Haus in lukrative Wohnungen umgestalten. Nach und nach taucht der Leser in die Schicksale der Hausbewohner ein und erfährt ganz nebenbei eine Menge über das nicht immer ganz einfache  Leben in London.  Ein wunderbarer, berührender Schmöker für ein verregnetes Wochenende. Cornelia Hoppe

„Wo das Glück zuhause ist“ von Rachel Hore, Bastei Lübbe Verlag Köln, 411 Seiten, 9,90 Euro

 

Nostalgische Weserfahrt

Die Schifffahrt auf der Weser, ganz gleich ob Raddampfer, Frachtschiffe oder Flöße fasziniert immer aufs Neue.  Für diesen Bildband über einen wichtigen Aspekt der Weserschifffahrt hat Autor Jan Kruse, Kapitän und Schifffahrtsexperte,  rund 160 bislang meist unveröffentlichte historische Aufnahmen aus öffentlichen und privaten Sammlungen  – Fotografien und Ansichtskarten –ausgewählt. Kundig kommentiert, ermöglichen sie einen Eindruck der etwa hundert Jahre andauernden Schleppschifffahrt auf der Weser von Hannoversch Münden bis Bremerhaven. Eine faszinierende Zusammenstellung, die zum Blättern und Entdecken einlädt. Spannend nicht nur für Schiffsliebhaber. Denn neben Aufnahmen von Schleppern, Schiffstechnik, Werften und Häfen entsteht auch ein Eindruck vom Leben und Arbeiten an  Bord. Und viele historische Aufnahmen von vertrauten Landschaften und Orten sind oft im Hintergrund zu entdecken. Die Mindener Weserwerft, die Schleusen von Petershagen und Schlüsselburg, die Schachtschleuse, die Mindener Schlagde und die Fischerstadt. Das Einzige, was ich mir als Laie noch gewünscht hätte, wäre eine Datierung der Aufnahmen gewesen. Cornelia Hoppe

 „Schleppschifffahrt auf der Weser“ von Jan Kruse, Sutton Verlag Erfurt, 119 Seiten, 20,00 Euro

 

Tödliche Entscheidung

Aenne Jannen führt ein entspanntes, glückliches Leben mit Mann und kleiner Tochter auf der Insel Amrum. Sie ist dort aufgewachsen, liebt die Insel und ihre Bewohner, hat viele Freunde und gute Nachbarn, ihre Eltern wohnen ganz in der Nähe und sie liebt es mit ihrem eigenen Segelboot hinaus aufs Meer zu fahren. Doch dann wird ihr Vater, der immer eine ganz entscheidende Rolle in ihrem Leben gespielt hat, auf besonders grauenvolle Weise ermordet. Aennes Welt bricht zusammen, sie gerät in einen Strudel aus Trauer und Verzweiflung. Niemand hat eine Erklärung für dieses Verbrechen, die Polizei tappt im Dunkeln, geht aber davon aus, dass der Täter die Insel und den Ermordeten sehr gut kannte und offenbar abgrundtief hasste. Doch trotz all seiner Affären war Erk Jannen auf der Insel durchaus beliebt. Es gibt niemanden, der einen solchen Hass für ihn empfinden könnte. Nur Aennes Mutter weiß über ein viele Jahrzehnte zurückliegendes Ereignis Bescheid und kennt ein paar weniger angenehme Eigenschaften ihres Mannes.  Aber Mutter und Tochter haben sich nie besonders nahe gestanden. Und so schweigt sie und schützt damit unbeabsichtigt den Mörder-  bis es fast zu spät ist. Ein spannender Insel-Krimi, den man nicht aus der Hand legen mag. Cornelia Hoppe

„Endstation Nordsee“ von Ilka Dick, Emons Verlag Köln, 336 Seiten, 11,90 Euro

Share Button